Feierliche Entlassung der Studienkollegiaten (Jan. 2017)

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„Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir“ – oder war es doch gleich umgekehrt? Mit diesem Seneca-Zitat, das meistens genau andersherum wiedergegeben wird, eröffnete Schulleiter Torsten Bahlmann seine Rede an die Absolventen des Studienkollegs. 98 junge Männer und Frauen aus 34 Nationen hatten sich für ein Jahr am Mettinger Kolleg zusammengefunden, um mit ihrem Abschluss die Berechtigung zu erhalten, in Deutschland zu studieren. Wenngleich sie auch, laut Bahlmann, vor allem der Umstand hergeführt hat, dass das Studienkolleg in Mettingen eines von lediglich zwei in NRW existierenden ist, so hofft er doch, dass dieses Jahr am Kolleg den Studierenden gezeigt hat, dass es eine Menge weiterer guter Gründe für den Besuch gerade dieser Schule gibt: nämlich die große Offenheit und Toleranz und besonders die Zugewandheit der Lehrkräfte, die als Pädagogen die Studierenden auf ihrem Weg begleiten und unterstützen wollen, statt lediglich Notengeber und Wissensvermittler zu sein. In diesem Sinne glaube er, dass das Seneca Zitat, in seiner eigentlich falschen Form („Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“), heute, 2000 Jahre später, vielleicht doch auf das Comenius-Kolleg zutreffe. Sein besonderer Dank galt hier Frau Amshoff und Herrn Jordan, die die Studienkollegiaten das Jahr über betreut hatten. Mit der Beobachtung, dass er vor einem Jahr noch einzelne Individuen vor sich gehabt habe , während er nun, am Ende ihrer Zeit am Kolleg, eine zusammengewachsene Gruppe vor sich sehe, schloss Bahlmann seine Rede. Er ermunterte die Kollegiaten zudem, diese neuen Freundschaften zu pflegen und fortzuführen.

Als Vertreter des Schulträgers richtete auch Pater Osmar einige Worte an die Absolventen. Er griff das Thema interkultureller Dialog auf, indem er von Franziskus‘ Versuch berichtete, mit dem Sultan und den Muslimen seiner Zeit einen religiösen Dialog zu führen. Pater Osmar sprach über den unschätzbaren Wert, den es bedeute, wenn an einem Ort wie dem Studienkolleg junge Leute aus aller Welt zusammenkämen, um miteinander zu lernen und so auch in einen Dialog zu treten. Dabei sei es nicht nur von Bedeutung, dass die Kollegiaten die nordrhein-westfälische oder niedersächsische Kultur, die sie hier umgebe, kennenlernten, sondern auch, dass sie sich untereinander über ihre unterschiedlichen Kulturen austauschten. Abschließend bedankte er sich bei den Kollegiaten dafür, dass „wir“ ein Jahr lang sie und ihre Kulturen kennenlernen durften,und wünschte ihnen viel Glück für das Sammeln weiterer Diplome – so würden er und das Kollegium sich sehr freuen, wenn in ein paar Jahren jemand von ihnen mit einem Doktorhut vorbeischauen würde.

Anschließend wurde jedem Absolventen unter großem Applaus der Mitschüler und Kollegen sein Zeugnis verliehen.

Für die musikalische Untermalung der Veranstaltung sorgte die Musikgruppe des Kollegs. Normalerweise unter der Leitung von Reinhild Veerkamp, sorgte die sehr musikalische, internationale Gruppe diesmal völlig eigenständig für die richtige Stimmung.

Abitur Dezember 2016 Standhaft bleiben (Dez. 2016)

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„Was ist wahr?“ und „Können wir den Informationen Glauben schenken, die uns in den Medien ‚wahre‘ Sachverhalte vermitteln?“
Mit diesen Fragen ermunterte Susanne Böttcher, stellvertretende Leiterin des Comenius-Kollegs in Mettingen, die 17 Abiturienten in allen Lebenssituationen kritisch nachzufragen und sich selbst gegenüber treu zu sein.

Zuvor hatte Pascal Dobrawa für die Abiturienten einen recht launigen und bisweilen ironischen Rückblick auf die zurück liegenden drei Jahre am Comenius-Kolleg gehalten.
Er habe sich zu Beginn des Kollegbesuchs nicht vorstellen können  -  wie im Unterricht gefordert  -  eine Rede zu schreiben und sie auch zu halten.
Aber nun sei es doch anders gekommen.
Sein Dank ging zunächst an den Beratungs- und die Fachlehrer.
Sie vermochten es, den Studierenden neben Fachwissen auch Respekt im Umgang miteinander auf ihrem „Umweg Schule“ zu vermitteln.
Dieser Erfolgsweg erfülle alle Absolventen heute mit dem Gefühl des Stolzes und der Gewissheit, dauerhafte Freundschaften geschlossen zu haben.

Musikalisch gestaltet wurde auch diese Abiturfeier wiederum von Reinhild Veerkamp und der Musikgruppe am Comenius-Kolleg.
Dieses stimmgewaltige, international besetzte Team verlieh der Feier einen besonders emotionalen und musikalisch tragenden Rahmen.

Die Notwendigkeit zur Bildung einer fundierten eigenen Überzeugung und vor allem Selbstbewusstsein waren zentrale Aspekte in Susanne Böttchers Rede an die Abiturienten. Sie ermutigte, in unserer sogenannten ‚postfaktischen‘ Zeit, in der der Effekt einer Aussage oder Nachricht wichtiger erscheint als ihr Wahrheitsgehalt, immer eine kritisch reflektierende Haltung einzunehmen und zu verteidigen.
Dabei könnten christliche Werte und Ideale sowie ökologische Orientierung und Toleranz Gradmesser für Entscheidungen sein.

Nach der Zeugnisausgabe durch Susanne Böttcher, Abiturkoordinator Norbert Middendorf und Beratungslehrer Günther Seeliger beschloss die Musikgruppe am Comenius-Kolleg die Feier mit einem rhythmisch und gesanglich begeisternden Ausklang.

Das Abiturzeugnis erhielten:
Alina Beibalaeva, Janka Bockholt, Pascal Dobrawa, Nils Fricke, Alban Haxha, Julia Heims, Denise Heukamp, Marc Lange, Jakob Lettner, Anton Nesterenko,
Marie-Lena Paganin, Mirko Pries, Nikolai Schäfer, Jim-Noah Tertling, Kevin Torka, Johannes Wangler und Alex Weingardt.
Zudem erhielten Denise Heukamp und Marc Lange Zeugnisse für besonderes Engagement in der Studierendenvertretung und in sozialen  Projekten.

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Bilder einer Ausstellung (Nov. 2016)

Günther Schulz präsentiert seine Sicht Brasiliens

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Vom fünften bis zum achtundzwanzigsten Oktober wurde im Foyer des Comenius-Kolleg die Photoausstellung „Brasilien – Facetten eines Landes“ gezeigt. In knapp 30 großformatigen Bildern setzt sich der Brasilienexperte und passionierte Hobbyphotograph Günther Schulz aus Freiburg mit Licht- und Schattenseiten dieses südamerikanischen Landes auseinander. Dabei konzentriert er sich auf die Themen „Nordosten“, „Amazonien“, „Städte“ und „Indigene“. Da die Ausstellung noch im Erprobungsstadium war, bat mich Günther Schulz um Verbesserungsvorschläge. Diese Bitte setzte ich um, indem ich die Mitglieder der Portugiesischkurse aus dem dritten und vierten Semester mit vorbereiteten Fragebögen auf den Weg durch die Ausstellung schickte. Sie notierten, was ihnen gefiel oder was nicht ihre Zustimmung fand. Allgemein stieß die Ausstellung bei den Studierenden auf eine positive Resonanz. Bemängelt wurde nur, dass manchmal Bildunterschriften, die für ein besseres Verständnis sorgen könnten, fehlten. Außerdem hieß es, dass der Bereich „Städte“ nur durch Bilder von Häusern aus vornehmen Stadtvierteln, Favelas und Pfahlhüttensiedlungen abgedeckt werde. Menschen fehlten. Diese Vorschläge wurden in der Zwischenzeit an Günther Schulz weitergeleitet, der sie dankend aufnahm und sofort umsetzte. Die Ausstellung „Brasilien – Facetten eines Landes“ regte die Studierenden aus den Portugiesischkursen zu einem fundierten Gedankenaustausch an. Sie wird bestimmt nicht zum letzten Mal im Kolleg zu sehen sein.


Bernd Lobgesang

Von Schlittenglöckchen und Freudenstiftern (Dez. 2016)

Das traditionelle Adventskonzert der KvG-Schulen verzauberte in der St.-Agatha-Kirche.

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METTINGEN. Fest verwurzelt sind die Kardinal-von-Galen-Schulen in der Mettinger Region. Das war zuletzt deutlich geworden, als Gymnasium und Realschule im Oktober nach Rom reisten. Tausende hatten den Weg bei Abfahrt und Rückkehr der rund 1300 gutgelaunten Abenteurer gesäumt.

Am Sonntagabend ließen sich viele Hundert Zuhörer in die St. Agatha Pfarrkirche in Mettingen locken, um einen zauberhaften Abend im Advent zu genießen. Man musste ordentlich zusammenrücken: volles Haus schon eine halbe Stunde vor Auftakt. So heißt es in einer Pressemitteilung.

Und weiter: Die Schüler zeigten, dass sie nicht nur reisen, sondern auch singen können. Diakon Markus Mäurer hatte bereits in seiner Begrüßung betont, dass die Sprache der Musik überall auf der Welt verstanden werden könne.

Und so sorgten die Mitglieder der XXL Band der Schulen unter Leitung von Hartmut Demand für vorweihnachtliche Stimmung. „Wir sagen euch an, den lieben Advent“ hieß es zu Anfang, und die große Fangemeinde sang nur zu gerne die ersten drei Strophen mit. Traditionell deutsch bis international war dann das Programm. Weit gespannt wurde der Bogen vom guten, alten Weihnachtslied „Alle Jahre wieder“ aus dem Jahr 1837 bis hin zu einem Song von Bill Withers aus den frühen 70ern „Lean on me“ , einem Lied um bedingungslose Freundschaft.

Mit viel Pep und Musikalität begeisterte der Projektchor der Klassen 5 und 6 unter Leitung von Elisabeth Schulte das Publikum. „Es ist für uns eine Zeit angekommen“, das schöne Lied aus dem Brauchtum der Luzerner Dreikönigssinger, bekam ebenso viel Applaus wie das Lied vom Friedenstiften, das aus über hundert jungen Kehlen erklang. Aber auch Wortbeiträge gehörten zum Programm. Da war Maria Miro-Schnitschenko, die vom hellen Weihnachtslicht las, und Karlo Oberbeckmann und Daniel Meyer machten dem Publikum klar, dass mancher, der im Advent vor unserer Türe steht, nicht sammelt, bettelt oder Gelder eintreibt, sonder einfach nur „ankommen will“.

Natürlich fehlte am Sonntagabend auch nicht „White Christmas“, der Weihnachtsklassiker schlechthin. Und trotz milder Wetterlage erklangen die Schlittenglöckchen von „Jingle Bells“ im Bigbandsound. Kerstin Holtkamp und Detlev Göldner moderierten mit Schwung.

International waren auch die Interpreten. Salam Sahib, der nach seiner Flucht aus dem Irak nun im Musikprojekt der KvG-Schulen im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes seine Aufgaben erfüllt, brillierte in einem Gesangssolo, begleitet von Ole Schneider auf der Gitarre. Und, wegweisend für die Kooperationspläne der KvG-Schulen war Reinhild Veerkamp vom Comenius Kolleg mit einer musikalischen Truppe aus fünf Nationen zu Gast.

 

Quelle: IVZ vom 13.12.2016

Comenius-Kolleg informiert über Weiterbildungsmöglichkeiten (Nov. 2016)

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Am Montag, 28. November 2016, findet von 14 bis 19 Uhr am Mettinger Weiterbildungskolleg ein Info-Nachmittag statt.

Interessierte, die das Abitur oder die Fachhochschulreife nachholen möchten, können sich im Gespräch mit Lehrenden und Studierenden über alle für sie wichtigen Fragen wie z.B. die Aufnahmevoraussetzungen und die Finanzierung durch BAföG informieren. Die Besucher können zudem in den parallel laufenden Nachmittagsunterricht hineinschnuppern.

Weiterhin stellt das Comenius-Kolleg sich und seine Bildungsgänge am Donnerstag, 1. Dezember 2016, ab 17 Uhr im Berufsinformationszentrum (BIZ) der Agentur für Arbeit Osnabrück vor. Im Anschluss gibt es die Möglichkeit zu einer individuellen Beratung.

Mit diesen Veranstaltungen will das Comenius-Kolleg Erwachsene auf die Chance aufmerksam machen, höhere Schulabschlüsse wie Fachhochschulreife und Abitur nachträglich und im Vollzeitunterricht zu erwerben und sich damit ein Studium sowie neue Wege im Beruf zu ermöglichen.

Neue Kurse beginnen am 1. Februar und 30. August 2017. Weitere Informationen gibt es beim Comenius-Kolleg unter Tel. 05452/2358 oder unter www.comenius-kolleg.de.

Kleinbäuerinnen wehren sich / In Amazonien breitet sich die Palmölproduktion aus (Nov. 2016)

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Benedita Carvalho, Kleinbäuerin aus dem Ort Igarapé Miri in Nordbrasilien, und Aldebaran Moura, Mitarbeiterin der Nichtregierungsorganisation FASE, waren am 16. November zu Gast im Comenius-Kolleg. Begleitet von Silke Tribukait von dem „Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt“ (ASW) aus Berlin, berichteten sie über die sich im Bundesstaat Pará seit einigen Jahren ausbreitende Palmölproduktion. In Pará sind es vor allem Kleinbauern, die im
Auftrag von Großunternehmen die ursprünglich aus Afrika stammende Dendê-Palme anpflanzen. Aus deren Früchten stellt man Öl her, das wiederum zu Biodiesel umgewandelt wird. Die Kleinbauern verpflichten sich dazu, 25 Jahre lang die Unternehmen mit einer bestimmten jährlichen Menge an Öl zu beliefern. Um das bewerkstelligen zu können, setzen sie Unmengen an Pestiziden und Herbiziden ein. Außerdem müssen sie große Flächen roden, auf denen sich vorher der amazonische Regenwald mit seiner reichhaltigen Flora und Fauna ausbreitete. Alle diese Tätigkeiten sind sehr arbeitsintensiv, sodass die Kleinbauern immer wieder fremde Arbeitskräfte anheuern müssen. Gerade auch während der Ernte sind viele zusätzliche Hilfskräfte außerhalb der eigenen Familie unverzichtbar. Der Anbau von Obst und Gemüse, der zuvor die wichtigste Erwerbsquelle der Kleinbauern war, geriet durch die Palmölmonokultur völlig ins Hintertreffen. Die Landbewohner, die sich vorher selbst mit Lebensmitteln versorgen konnten, sind jetzt auf teure Einkäufe im Supermarkt angewiesen. Nach einigen Jahren harter Arbeit sind die Kleinbauern oft nicht mehr in der Lage, allen ihren Verpflichtungen nachzukommen. Sie verkaufen dann ihr Land und ziehen auf der Suche nach Arbeit in die großen Städte, wo sie häufig in den Elendsvierteln stranden.Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, bietet FASE den Bauern Rechtshilfe und technische Unterstützung an. Die Aufhebung der Knebelverträge und die Rückkehr zu einer verbesserten Subsistenzwirtschaft, die sorgsam mit der Natur umgeht, sind erklärte Ziele von FASE. In Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft der Kleinbauern, in deren Reihen auch Benedita Carvalho aktiv ist, werden alte Anbaumethoden von Obst und Gemüse wieder aufgegriffen und verbessert, organischer Dünger wird hergestellt und Bauernmärkte mit fair gehandelten Produkten werden organisiert. Diese Märkte suchen auch Bewohner der nahen Städte, die auf den Geschmack von gesunder Nahrung gekommen sind, gerne auf. Dadurch können die Kleinbauern ihr Einkommen steigern und ihre Kinder in die Schule schicken. FASE und Gewerkschaft wollen mit ihrer Kooperation zudem erreichen, dass die Arbeit von Frauen in der von Machismus und Sexismus geprägten Gesellschaft Brasiliens stärker wertgeschätzt wird. Sie kämpfen auch darum, dass die Jugend von den Drogen Abstand nimmt, die gerade im Munizip Igarapé Miri durch die Beschaffungskriminalität sehr viel Gewalt verursacht.

Bernd Lobgesang

 
Was mich überraschte als ich in Ghana ankam. (Nov. 2016)

Aus einem Projekt des Deutschunterrichts von Karin Thomas im Studienkolleg des 2. Semesters im Wintersemester2016/17. Der Text stammt von Kimberley Addy, die zur Zeit das Studienkolleg des Comenius Kollegs in Mettingen besucht. Ihre Eltern stammen aus Ghana. Sie ist jedoch in Berlin geboren und lebte dort 14 Jahre lang. Von ihrem 14. Lebensjahr an wohnte sie für vier Jahre in Ghana. Aus dieser Zeit stammt ihr Bericht.

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„In wenigen Minuten erreichen wir ‘Kotoka International Airport’, Accra“, sagte die Flugbegleiterin in das Mikrofon. August 2010 bin ich mit meiner Familie nach Ghana gezogen. Von meinem Fensterplatz aus konnte ich die vielen Lichter von unten sehen. Es gab also Licht in Ghana, dachte ich zu mir selbst. Am Flughafen wurden wir von ein paar Verwandten abgeholt.

Unser neues zu Hause war riesig im Vergleich zu unsere Wohnung in Berlin. Meine Eltern erklärten mir, dass es unser Familienhaus war. Jede Familie in Ghana hat ein Familienhaus. Es wohnten insgesamt 21 Leute – alles Verwandte - in diesem Haus: Großtanten, Cousins, Tanten und Onkel. Von den Meisten hatte ich noch nie ein Wort gehört, aber wir waren alle verwandt. Die Frauen kochten jeden Tag für die ganze Familie. Wenn man zum Einkaufen ging, musste man für die ganze Familie einkaufen. Ich wollte mir einmal eine Tasse Tee machen und musste am Ende 18 Tassen Tee machen. An das Großfamiliensystem musste ich mich noch gewöhnen. Als ich nur mit meinem Eltern und Bruder wohnte, war es viel einfacher sich für einen Fernsehprogramm zu entscheiden.

Zu Hause gab es kaum fließendes Wasser. Regelmäßig mussten wir Wasser kaufen um die Wasserreservoirs zu füllen. Trinkwasser mussten wir immer extra kaufen. Schlimmer fand ich aber den Stromausfall. Manchmal gab es zwei Tage und Nächte keinen Strom. Ohne einen Ventilator zu schlafen war sehr schwer. Fenster konnte man nachts nicht aufmachen wegen der Mücken. Schwitzen war jedem lieber als Malaria.

Interessant fand ich auch wie es fast überall Tiere gab. Am häufigsten sah man Hühner, Ziegen und Kühe. Ich hatte einmal eine Kuh mit einer Ziege verwechselt. Die Kuh war nicht einmal halb so groß wie die kleinste Kuh, die ich in Deutschland gesehen hatte. Das lag einfach daran, dass Tiere in Ghana zwar Besitzer haben, trotzdem aber ihrem eigenen Schicksal überlassen werden. Sehr selten füttern die Besitzer ihre Tiere.

Mein erster Schultag in Ghana war der reine Albtraum. Die erste Überraschung war die hässliche Schuluniform. Es gab sie nur in einer Größe und man durfte sie nicht enger machen. Meine Haare, Nägel, Schminke und Schuhe wurden alle bei der Schulleitung kritisiert. Die Haare sollte ich abrasieren. Schminke durfte ich nicht tragen, nur schwarze Schuhe mit weißen Socken waren erlaubt, kein Nagellack und keine langen Nägel. Die Strafe, wenn man gegen die Regeln verstieß, war gleich. Man wurde geschlagen. Hausaufgaben nicht gemacht, Uniform nicht richtig gebügelt, lange Fingernägel, kam man zu spät oder man war zu laut. Wir waren Schülerinnen und Schüler zwischen 17 und 20 Jahre trotzdem wurde es uns strengstens verboten in einer Beziehung zu sein. Auch dafür wurden wir geschlagen. Ich konnte mich nicht an das Schulsystem gewöhnen. Als ich Deutschland verließ, fühlte ich mich schon wie eine erwachsene Frau. Was Kleidung, Frisuren oder auch Beziehungen anging hatten meine Eltern mir schon vertraut. Mich abrasieren zu lassen und so sehr unter der Kontrolle der Schule zu sein, machte mich sehr verletzlich und sorgte dafür, dass ich meine Reife doch noch in Frage stellte. Ich konnte nicht verstehen wie die Schule so sehr in mein privates Leben eingreifen durfte. Ich kam mir sehr hilflos vor und unterwarf mich dem Schulsystem.

Transportsystem in Ghana. Es gab keinen Fahrplan und sehr wenige Bushaltestellen. Die Busse hielten sowieso überall und nirgends. Sah man einen Bus vorbei fahren, musste man hinterher rennen und rufen bis der Fahrer anhielt. Was chaotischeres dürfte es nicht geben. Man konnte sich nicht auf den Bus verlassen. Züge gab es nicht und gibt es immer noch nicht. Es war einfacher mit dem Taxi zu fahren. Es war zwar teurer, aber trotzdem viel billiger. Die Taxis konnte man allerdings nicht anrufen, sondern man musste schon zur Taxistation oder ein Taxi beim Vorbeifahren stoppen. Irgendwie klappte es.

In Ghana konnte man alles auf der Straße kaufen: Fleisch, Gemüse, Getränke usw. Die Ware wurde auf dem Kopf getragen. Die Verkäufer waren sehr schnell und geschickt. Bevor die Ampel grün wurde, hatten sie dir schon deinen Einkauf und Wechselgeld gegeben. Große Märkte und Supermärkte gab es auch, aber dieses „Einkaufen to –go“ fand ich sehr faszinierend.

Meine größten Enttäuschungen waren wohl, als zu Ostern der Osterhase nicht kam, der Nikolaus nicht kam und das es überhaupt kein Halloween gab. Zu Weihnachten gab es keinen Schnee und keinen Weihnachtsmarkt...kein Schlittschuhlaufen. Obwohl meine Eltern ihr Bestes gaben, um uns ein deutsches Weihnachtsfest zu ermöglichen, war es bei 38 Grad natürlich nicht dasselbe.

Mir hatte Ghana sehr gefallen. Ein Teil von mir passt perfekt in diese Kultur rein, der andere Teil aber nicht. Die vier Jahre in Ghana waren mir sehr wichtig. Mir wurde bewusst,dass ich mein ganzes Leben lang zwischen Ghana und Deutschland pendeln würde. Ghana reicht nicht aus und Deutschland auch nicht. Für mich ist Heimat sowieso, wo meine Familie ist.

Bauarbeiten (Nov. 2016)

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Bild vom 18.11.2016

Die Bauarbeiten auf dem Pausenhof des Comenius-Kollegs gehen dem Ende entgegen: In den letzten Tagen sind die Pflasterarbeiten fertiggestellt worden, die eine Verbindung ohne Unebenheiten zwischen den Unterrichts- und Verwaltungsräumen im Studienheim St.Franziskus, dem Hauptgebäude des Kollegs und den Parkplätzen ermöglichen. In den nächsten Tagen soll noch die Rampe zur Überwindung der Stufe zum Kolleg ergänzt werden, die zum Studienheim wird im kommenden Jahr umgestaltet werden. Die Finanzierung der aufwendigen Baumaßnahme wird durch den Kreis Steinfurt unterstützt.

Meine Ankunft in Deutschland und mein Blick auf dieses Land (Okt. 2016)

-Bericht eines Studienkollegiaten aus dem 2. Semester. Aus einem Unterrichtsprojekt des Deutschunterrichtes von Karin Thomas im Wintersemester 2016/17-

Mohammad Fahmawie

Nachdem ich mein Abitur gemacht hatte, musste ich lange überlegen, was der nächste Schritt sein sollte. Und aufgrund der geringeren Disziplinen und Vielfalt der Fächer in den Universitäten meines Heimatlandes, habe ich mich entschieden, in Deutschland weiter zu studieren, weil es in diesem Land vielfältige Fächer auf allen Ebenen gibt. Obwohl ich weiß, dass wir heutzutage in einer globalisierten Welt sind, und ich an jedem Ort der Erde großartige Informationen erhalten kann, aber auf der anderen Seite sagt ich mir, man muss auch praktische Erfahrungen haben und es ist wichtig, im Ausland alleine zu leben, um neue Kulturen kennenzulernen.
Als ich im Flugzeug war, dachte ich gleichzeitig mit Hoffnungen und Angst, wie das
neue Leben werden würde, ich hatte kein richtiges Bild von Deutschland und war wie
blind, ohne irgendwelche Weisheit über das neue Leben zu haben, deswegen war alles in meinen Augen dunkel wie der Himmel ohne Sterne, trotzdem war der Stern in meinem Herzen noch vorhanden und leuchtend.
Ich habe am Anfang gedacht, dass ich sehr schnell einen Studienplatz bekommen würde und mich auf meinem Studienstuhl vom ersten Tag an setzen könnte, um die Studienarbeit anfangen zu können, aber das war ganz anders.
Ich hatte anfänglich Schwierigkeiten damit, eine Wohnung zu finden und die Sprache sehr schnell zu lernen und mich gleichzeitig bei Universitäten zu bewerben, deshalb habe ich die erforderlichen Sprachniveaus alleine gelernt. Ich fand mich als fremde Person in einer neuen Welt ohne Verwandte, Eltern, Freunde, den vertrauten Straßen und Orten meines bisherigen Lebens, an die ich 18 Jahre gewohnt war. Dann plötzlich begann ich ein neues Leben mit neuen Menschen, Kulturen, Systemen und Regeln. Nach der Betrachtung der Schwierigkeiten möchte ich nun auf die positiven Seiten, die ich auf diesem schönen Weg erfuhr, eingehen . Erstens habe ich eines der besten Länder der Welt mit großen Fortschritt kennengelernt.Verkehrsmittel stehen in jedem Ort zu bestimmten Zeiten zur Verfügung. Pünktlichkeit und Genauigkeit im Leben und Lebensalltag sind wunderbar! Im Ausland kann man bei jedem Schritt etwas Neues lernen. Darüber hinaus lernt man verschiedene Kulturen kennen und bekommt eine neue Philosophie über das Leben und neue Wahrnehmungen.
Die Wissenschaften sind sehr wichtig in Deutschland, das interessiert mich sehr, weil Wissenschaft die Sprache der Welt ist und ein wichtiger Beitrag zur Zivilisation ist. In Deutschland kann ich immer Bibliotheken mit allen Büchern vom Anfang des Humanismus bis in die Gegenwart finden. Hier gibt es ein großes Bewusstsein für die Wichtigkeit der Wissenschaften und Bücher, weil diese fantastischen Sachen zur Weiterentwicklung führen können.
Deutsche Industrie, Technik und Wissenschaften sind unendliche Themen, über die man reden kann. Wenn Musik, Philosophie und Literatur miteinander verbunden sind und in einem Land gleichzeitig vorhanden sind, führt dieses zu großartigen Entwicklungen auf allen Ebenen dieses Landes. Das ist es, wenn ich an deutsche Kultur denke.
Beispielsweise möchte ich drei der intelligentesten und berühmtesten Deutschen, die die deutsche Musik, Philosophie und Literatur repräsentierten, nennen. Es sind Beethoven als Musiker, Friedrich Hegel als Philosoph und Goethe als Literat, die gleichzeitig in einem Zeitraum im 19. Jahrhundert in Deutschland gewirkt haben und ihre Wunder in die Welt gebracht haben.
Und sie führten indirekt zur Entstehung der großen Entwicklungen der großen deutschen Wissenschaftler des zwanzigsten Jahrhunderts wie Albert Einstein und seiner Relativitätstheorie, Max Plank in der Quantenphysik und Max Abraham in das Medizin und viele andere. Ich muss die Sprache sehr gut beherrschen, damit ich über dieses schöne Land mehr wissen kann. Ich habe einen großen Respekt für Deutschland und ich liebe dieses Land, wünsche immer für Deutschland das Beste und gleichzeitig hoffe ich, dass alle Länder voneinander und miteinander lernen und eine bessere Zukunft mit Gleichheit aller Menschen und ein besseres Leben erschaffen können. Denn ich glaube immer an die große Bedeutung der Menschheit, die bedeutet, dass alle Menschen miteinander ohne Grenzen leben und lieben können und die Schönheit jedes Atoms im Universum genießen können.

Mohammad Famawie (20 Jahre) Jordanien