Kulturnacht Fest der Kulturen (Juni 2016)

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Ohne Bewegung ging es nicht bei der diesjährigen Kulturnacht am letzten Samstag in Mettingen auf dem Schultenhof. Nicht für die Gäste und auch nicht für die auftretenden Tanz-Gruppen.

Neben den Tanzformationen der KTS unter der Leitung von Ruth Klaschka liessen auch die verschiedenen Interpreten des Comenius Kollegs unter der Leitung von Petra Köstler und Reinhild Veerkamp bei ihrem Auftritt nichts und niemanden unbewegt. Mit Salsa, Mexikanischer Polka (Quebradita), Latin-Pop, Gesang und Tanz brachte das Ensemble beim Publikum Schwung in die Hüften und ein Lächeln ins Gesicht. Die Freude am Auftritt war allen Beteiligten deutlich anzusehen, dies machte die Performance so mitreißend.

Der internationale Klang der Namen der Beteiligten macht deutlich, das der Titel der Veranstaltung ‚Kulturnacht’ zwei Auslegungen zuließ: Radouane, Marokko; Abraham, Mexiko; Malek, Libyen; Jonathan; Lehrke, Brasilien; Antonio, Venezuela; Rodrigo, Bolivien; Ana Gabriela, Panama; Paulet Michelle, Ecuador; Dena, Iran; Sahsa, Kolumbien; Ximena, Peru; Rahul, Indien; Camilo, Kolumbien; Abed, Syrien; Alejandra, Kolumbien; Sarah-Ann, Deutschland; Edith, Kongo; Daniel, Deutschland; Kimberly, Ghana; Ifunanya J., Nigeria; Roland, Philippinen

Das Comenius Kolleg ertüchtigt seine Schüler besonders aus Brasilien und Südamerika, aber auch aus anderen Ländern innerhalb eines Jahres dazu eine deutsche Hochschule zu besuchen. Ausserdem bietet das Kolleg Erwachsenen die Möglichkeit das Abitur nachzuholen. Das Kolleg ist eine UNESCO-Projektschule und steht damit im besonderen Maße fürdie Einhaltung der Menschenrechte, für kulturelle Bildung und Umweltbildung und den gerechten Ausgleich zwischen Arm und Reich. Internationale Verständigung und interkulturelles Lernen sind ein zentraler Bestandteil bei der Erreichung der Hochschulreife am Kolleg. Dies bildet ein gutes Fundament für das Leben in der global ausgerichteten Hochschul- und Berufswelt. Das Kolleg ist eine große Bereicherung für Mettingen in kultureller und schulischer Hinsicht. Durch den mitreißenden Auftritt hat es dies am Samstag auf besonders anregende Weise in das Bewusstsein der Mettinger gebracht.

Auch der Aufbau für die verschiedenen Aufführungsorte geschah im Zeichen der kulturellen Vielfalt. Der Förderverein Schultenhof hatte durch den Kontakt zum Arbeitskreis Asyl viele starke Freunde aus den Reihen der Asylanten die gerne mit geholfen haben. Die Auftretenden bei Pantomime und Zauberer waren ebenfalls international aufgestellt.

Die grosse Vielfalt der Kulturnacht in kultureller und multikultureller Hinsicht verdankt der Förderverein allen Darstellern, Interpreten und Aktiven die etwas auf die Bühne und auf die Beine gestellt haben, ebenso wie den vielen Zuschauern, die mit Ihrem Beitrag das Kulturprogramm für Alle auf dem Schultenhof unterstützt haben. Dafür bedankt sich der Förderverein an dieser Stelle von Herzen.

 

Text: Ute Schwermann-Temmen, stellv. Vorsitzende Förderverein Mettinger Schultenhof e.V.

 

Richtfest für das neue Dach des Studienheims (Juni 2016)

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Nachdem Heinrich Wrocklage den Richtspruch mit der Bitte um Gottes Segen für das Haus gesprochen hatte, wurde die Fertigstellung des Rohdaches mit einem Lied gepriesen. Pater Donatus sprach den Segen für das neue Dach, auf dass es gute Dienste für eine lange Zeit leisten wird. Zum Abschluss wurde dem Geburtstagskind, Pater Donatus noch ein kräftiges Ständchen gesungen.

weiterlesen... Richtfest für das neue Dach des Studienheims (Juni 2016)
Informationsveranstaltungen im Mai 2016

 

Info-Nachmittag

am Kolleg

 

 

Informationen und Beratung

im BIZ Osnabrück

 

Fachhochschulreife und Abitur

im Tagesunterricht für Erwachsene

Wann?

10.05.2016 von 14 bis 19 Uhr

Wo?

Comenius-Kolleg

Sunderstr. 15 / 17

49497 Mettingen

Tel: 05453 2358

comenius-kolleg@t-online.de

   

Fachhochschulreife und Abitur

im Tagesunterricht für Erwachsene

Wann?

19.05.2016 um 17 Uhr

Wo?

Berufsinformationszentrum - BIZ

Osnabrück

Anmeldung bei der Agentur für Arbeit unter 0541 980-100

 

 Abiturcomic

 


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Heiratsantrag nach Tor beim VfL Mettingen kommt ins Fernsehen (April 2016)

Da staunten nicht nur die Zuschauer. Auch die künftige Ehefrau Pegah war perplex, als ihr Freund Wilson Mendieta Jimenez der Iranerin nach seinem Tor in einem Kreisliga-B-Spiel der zweiten Mannschaft des VfL Eintracht Mettingen einen Heiratsantrag machte. Jetzt hat es der filmreife Antrag des 23-jährigen Bolivianers sogar ins Fernsehen geschafft.

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Jimenez und Pegah haben sich am Comenius-Kolleg auf einer Party das erste Mal gesehen. Zuerst war es nur Smalltalk, aber es wurde schnell mehr daraus: die große Liebe. Da sich ihr Aufenthalt in Mettingen dem Ende zuneigt – im Juli gibt es die Abschlusszeugnisse – hatte sich Wilson am vergangenen Sonntag die besondere Überraschung ausgedacht (wir berichteten).

Seit August 2015 spielt Jimenez beim VfL Eintracht Fußball. Bereits als er in Hamburg die Sprachschule besuchte, war er dort als Fußballer aktiv. Vor seinem Umzug in die Tüöttengemeinde fragte er bei der Eintracht an. „Wir haben ihn sofort im Verein eingegliedert“, so der sportliche Leiter Stefan Büscher.

Am vergangenen Sonntag stand der Mittelfeldspieler gegen SW Lienen auf dem Platz. „Ich wurde in der ersten Halbzeit verletzt, habe aber trotzdem weitergespielt“, erzählte der junge Bolivianer. Klar, denn er hatte noch was vor, was fast niemand ahnte. Als ihm in der 57. Minute ein Tor gelang, zog er sein Trikot aus und lief zu seiner Freundin am Spielfeldrand. „Willst Du mich heiraten?“, stand auf dem T-Shirt. „Ich wusste nichts davon und war schockiert“, erinnert sich Pegah. Dabei gab es Anzeichen: Wilson hatte vor dem Spiel seinen Freund mit Blumen, Schokolade und roten Herz-Luftballons zu seiner Liebsten geschickt. Mit einem Heiratsantrag auf dem Fußballplatz hatte die Studentin aber nicht gerechnet. Es ging alles sehr schnell. Aber sie beantwortete die Frage mit „Ja, natürlich!“. „Ich hatte mich vorbereitet, trotzdem war ich sehr nervös“, gestand Wilson. Für die Geschichte interessierte sich auch ein RTL-Filmteam, das am Mittwoch die Akteure im Tüöttensportpark interviewte.

Dass Wilson Jimenez romantisch veranlagt ist, bewies er schon zwei Tage vor dem Spiel. Er sang für Pegah das Liebeslied „Una Canción De Amor de Gianmarco“ und spielte dazu Gitarre. Beide lieben Musik. Pegah spielt ein wenig Geige, verriet sie.

Die jungen Leute haben im August 2015 mit dem Studium begonnen. Bald sind Prüfungen. Darauf bereiten sie sich gerade intensiv vor. Jimenez stammt aus Santa Cruz. Dort hat er die Schule besucht und in der Logistikfirma seines Vaters gearbeitet. Er sei vor allem nach Deutschland gekommen, um die Sprache zu lernen. Pegahs Heimatort ist Ahvaz. Sie hat im Iran das Sprachzertifikat erworben und wurde nach einer Prüfung am Comenius-Kolleg angenommen.

Foto und Text: IVZ 13.04.2016 Brigitte Striehn

RTLWest

 

Was können wir tun? UNESCO-Projekttag am Comenius-Kolleg (April 2016)

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„Peeling besser selbst machen“, „Leinentaschen verwenden“, „Den Kaffee in der Bäckerei in einen eigenen Becher umfüllen lassen“ – das sind einige der Vorschläge von Studierenden des Comenius-Kollegs, die sich mit „Tödlichem Plastikmüll im Meer“ auseinandergesetzt haben. Dabei hatten sie nicht nur Informationen zu Müllinseln im Atlantik und den Giften, die sich damit verbinden, erhalten, sondern auch z.B. Peelings auf Mikroplastikteile untersucht und Biokunststoffe hergestellt. Allerdings erkannten sie, dass auch diese nicht unproblematisch sind, etwa weil das notwendige Ackerland auch für den Anbau von Nahrungsmitteln genutzt werden könnte.

„Schau hin! Misch dich ein!“ So lautete das Motto des diesjährigen internationalen Projekttages der UNESCO-Projektschulen. Diese Veranstaltung ist aus einer Solidaritätsaktion am 26. April 1996 - 10 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl - hervorgegangen. Der diesjährige Projekttag fand genau an diesem Datum statt. Auch das Comenius-Kolleg, seit 2009 anerkannte UNESCO-Projektschule, beteiligte sich an dieser Aktion.

Lehrerinnen und Lehrer des Kollegs, aber auch Studierende hatten dazu Arbeitsgruppen mit ganz unterschiedlichen Themen angeboten. Eines war die zunehmende Bedrohung durch den Plastikmüll, ein anderes das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA. Nach einem Austausch der Teilnehmer, der zwischen „Jeder hat ja die Freiheit, welche Ware er kaufen will, ob ein Chlor- oder ein Biohähnchen!“ und dem Hinweis „Die manipulierten Abgaswerte von VW sind ja in den USA und nicht in Europa aufgeflogen!“ pendelte, wurde genauer über die aktuelle Verhandlungssituation, soweit sie denn bekannt ist, informiert. Stefan Maguhun, Mitarbeiter bei Attac, war dazu ein kompetenter Referent und Gesprächspartner.

Genauso wie hier stand in der Arbeitsgruppe zu „IS – Fanatiker in Schwarz“ der Erwerb eines differenzierteren Bildes der Thematik im Vordergrund. Die von Studierenden des Kollegs geleitete Arbeitsgruppe vermittelte Informationen zur Entstehung, zu den Anführern und zum Verhältnis zu den USA und sollte dazu beitragen, dass der IS als extremistische und militärische Bewegung wahrgenommen wird, nicht als Zusammenschluss wahnsinniger Gotteskrieger.

Weitere Gruppen beschäftigten sich mit der These, dass Deutschland schon immer ein Einwanderungsland gewesen ist, oder versuchten zu zeigen, dass Türkisch mehr ist als Schimpfwörter und Döner. Ganz anders ging eine Gruppe vor, die eine (Franziskaner)-Kutte aus Jeansstoff, aus abgelegten Jeans, herstellen wollte - und noch will, denn sie muss bzw. will noch „nachsitzen“, weil sie nicht fertiggeworden ist. Das Ergebnis soll später im Foyer des Kollegs ausgestellt werden und als Symbol für die Aktualität der franziskanischen Ausrichtung dienen, mit ihrer Bescheidenheit, ihrem Umweltbewusstsein. Andere Angebote zur kreativen Auseinandersetzung mit dem Motto – Erstellung eines Videos, Musik, Theater – ergänzten die vielfältigen Möglichkeiten.

Den Abschluss fand dieser Tag mit einem gemeinsamen Mittagessen, einer Mischung aus Gerichten verschiedener Länder, die von Studierenden vorbereitet worden waren. So gab es z.B. ein typisch venezuelanisches und kolumbianisches Gericht, Arepas, eine Art Teigfladen auf der Basis von Maismehl, die mit einer Füllung aus Avocado, Käse und Hähnchen angeboten wurden. Aber auch ein Apfelstreuselkuchen durfte nicht fehlen. Und wo ist der Zusammenhang mit dem Motto des Projekttages? Infokarten informierten über die Gerichte und sollten zum „Einmischen“ motivieren. Und so vermischten sich nicht nur die Gerichte auf den Tellern, sondern auch die Menschen aus ganz unterschiedlichen Herkunftsländern und lernten sich in neuer Weise kennen und hoffentlich schätzen.

Text: Gunther Biesewig

Ein Einblick in ein mittelständisches Maschinenbau-Unternehmen (März 2016)

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Dass Musikerinnen und Musiker Töne erzeugen, Ton aber ein Rohstoff bei der Herstellung von Baustoffen ist, dass die Ziege nicht mit Ziegeln verwechselt werden darf – das hatten die Studierenden des T2-Kurses des Studienkollegs am Comenius-Kolleg schon im vorbereitenden Unterricht im Fach Deutsch gelernt. Wie aber ein hochmodernes Ziegelwerk funktioniert, wie viel Automatisierungstechnik darin enthalten ist und wie wichtig Energieeinsparungen sein können, das erfuhren sie erst bei ihrem Besuch von Keller HCW, einem mittelständischen Unternehmen in Ibbenbüren-Laggenbeck.

Frau Freye, Ausbildungsleiterin und Assistentin der Produktionsleitung, informierte die Studierenden zunächst in ihrer perfekt vorbereiteten Präsentation über das Unternehmen, das sich auf die Herstellung und Lieferung kompletter Ziegelwerke spezialisiert hat, für Auftraggeber aus der ganzen Welt, zeigte aber auch andere Zweige wie die Fertigung von Kunststoffschälmaschinen zur Herstellung von Folien oder im Bereich der Automatisierungs- und Messtechnik die Entwicklung berührungsloser Temperaturmessgeräte. Ebenso erfuhren die Studierenden, dass die Ausbildung bei Keller groß geschrieben wird. Dabei war vielen von ihnen das System der Ausbildung in Deutschland, die duale Ausbildung mit umfangreichen Ausbildungsordnungen für die verschiedenen Berufe, ganz neu. Zudem zeigte ihnen Frau Freye an verschiedenen aktuellen Stellenausschreibungen, dass sie im Anschluss an ihr beabsichtigtes Studium gute Chancen z.B. als Maschinenbau- oder Elektroingenieur bei Keller haben könnten, insbesondere, wenn sie zu einem internationalen Einsatz bereit wären. Ganz im Sinne der Studierenden waren die Informationen zu Praktikumsmöglichkeiten, dass Keller HCW immer für solche Wünsche offen sei.

Praktisch wurde es bei der Vorstellung einer aktuellen Neuentwicklung, des Enviro-Ofens, durch den verantwortlichen Ingenieur Herrn Heitmann. Dieser Ofen, in dem die Ziegel gebrannt werden, bei Temperaturen von über 1000 Grad, soll vor allem durch eine neue Art der Anordnung und Gestaltung der Wagen, auf denen die Ziegel durch den Ofen transportiert werden, zu einer Energieeinsparung von bis 40 Prozent beitragen. In seinem engagierten Vortrag machte der Verfahrenstechniker deutlich, dass interdisziplinäres Denken und Teamwork für seine Arbeit ganz wichtig sind.

Die Studierenden bewerteten im Anschluss diese Exkursion sehr positiv, als Bereicherung des Deutschunterrichts. Frau Freye und Herr Biesewig, der verantwortliche Lehrer, wiederum sind gespannt, ob die ersten Vorgespräche auch wirklich zu Praktika von Studienkollegiaten bei Keller HCW führen.

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Text und Bilder: Gunther Biesewig

Bunte Vielfalt (Februar 2016)

Die Eine-Welt-Tage zeigen sich von ihrer besten Seite

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Bei den Eine-Welt-Tagen, die dieses Mal vom 17. bis zum 19. Februar stattfanden und sowohl im Kolleg als auch im Schultenhof angesiedelt waren, gab es ein Novum: Pater Osmar leitete als Vertreter des Schulträgers die Veranstaltung mit einem Vortrag über Franziskus und sein Wirken für die Armen dieser Welt ein. Er unterstrich damit, dass der Ruf dieses mittelalterlichen Reformers nach mehr Gerechtigkeit auch heute noch brennend aktuell ist. Danach hielt ich den obligatorischen Vortrag über Brasilien, seine Geschichte, Kultur(en) und Gegenwart. In der sich daran anschließenden Diskussion war man sich rasch einig, dass in Brasilien – und auch anderswo – mehr gegen die Korruption getan werden muss, damit bessere Lebensverhältnisse für die Bevölkerung durchgesetzt werden können.

Und schon ging es in die Arbeitsgruppen. Sechs standen zur Auswahl: „Aufnahme und Integration von Flüchtlingen in Deutschland“ (Marion Finkmann, Silke Osterhues), „Tanzen verbindet Menschen“ (Petra Köstler), „Musik aus aller Welt – Musik für die Welt“ (Reinhild Veerkamp), „Auswirkungen des Tabakanbaus auf Mensch und Natur“ (Stefanie Schwaninger), „Die globale Umweltsituation und das Pariser Klimaabkommen“ (Elena Rech) und „Fairer Handel“ (Elke Varnskühler).

In allen Arbeitsgruppen, die immerhin über 100 Teilnehmer aufnehmen mussten, wurde fleißig und konzentriert gearbeitet. Interessant zu beobachten war die Vielfalt der Arbeitsmethoden, die dabei zur Anwendung kamen. Während in einigen Gruppen mit Hilfe des Internets Informationen beschafft und dann für die Präsentation kreativ umgesetzt wurden, schossen sich andere Gruppen völlig auf körperliche und musische Tätigkeiten ein. Die Gruppe „Flüchtlinge“ hatte schon im Vorfeld Kontakt mit dem Mettinger „Arbeitskreis Asyl“ aufgenommen und lernte nun vor Ort die vielfältigen Aktivitäten dieser rührigen Initiative von Privatleuten kennen, während etwa die Gruppe „Fairer Handel“ die Produktion und die Vertriebswege von Kakao, Kaffee und anderen tropischen Produkten studierte. Die Musikgruppe übte verschiedene Songs wie „We are the World“ ein und überzeugte bei der die „Eine-Welt-Tage“ abschließenden Präsentation der Ergebnisse unter anderem durch ein Instrumentalstück aus dem Film „Schindlers Liste“, das die Kolumbianerin Andrea auf ihrer Geige in berührender Weise vortrug.

Überhaupt die Präsentation: Sie wird offensichtlich immer professioneller. Ganz egal, ob es sich um die Musikbeiträge, das Puppenspiel der Flüchtlingsgruppe, die Powerpoint-Darbietungen oder die Tanzeinlagen, die diesmal Hiphop, Breakdance und Lateinamerikanisches umfassten, handelt: Alles war von großer Qualität. Die Tanzgruppe lieferte eine derart exzellente Show ab, dass sie eingeladen wurde, auf dem kommenden Mettinger Gemeindefest einen halbstündigen Programmpunkt mit den verschiedensten Tänzen zu gestalten. Wenn das kein Kompliment ist.

Bernd Lobgesang

Eine-Welt-Koordinator

Interview mit Yasin Karakılıҫ zu seinem Brasilienaufenthalt (Feb. 2016)

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1.Yasin, du bist unser Mann für Brasilien. Das heißt, du wirst in den Sommerferien für fünf Wochen nach Brasilien gehen. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Auf die Idee bin ich schon als Kind gekommen – wegen meines großen Interesses an Südamerika, vor allem an Peru und an den indigenen Völkern. Meine Eltern habe ich damit genervt, dass ich Lima besuchen wollte. Und nun hat es sich ergeben, vor allem durch die südamerikanischen Studienkollegiaten, dass ich endlich Kontakte aufbauen konnte. Und durch den Portugiesisch-Unterricht hat sich mein Interesse nach Brasilien verlagert.

Ich begann, meinen Lehrer zu befragen, wie ich dorthin kommen kann. Als dann im letzten Jahr Mitglieder des „Aktionskreises Pater Beda für Entwicklungsarbeit“ unseren Portugiesisch-Unterricht besuchten, erwähnten sie, dass man als Helfer Projekte besuchen kann. Da sah ich meine Chance. Mit Hilfe von Bernd Lobgesang und dem Aktionskreis habe ich dann alles arrangiert – und freue mich jetzt ungemein.

2. Was wirst du dort konkret machen?

Ich werde Projekte des Aktionskreises Pater Beda – auch welche, die wir von Deutschland aus unterstützen - besuchen und darin mithelfen. Einen Großteil meines Aufenthaltes werde ich mit Landlosen zu tun haben, die sich in der Bewegung MST auf friedlichem Wege ihre Rechte erkämpfen.

3. Bist du der einzige Deutsche in den Projekten, oder gibt es Mitstreiter?

Ja, ich werde die Reise allein antreten – was Bernd Lobgesang als Vorteil ansieht, da ich dann niemanden habe, der Deutsch spricht. Also kann ich dem Lernen der Sprache kein bisschen entgehen – was ich aber sowieso nicht vorhatte.

4. Welche Vorstellungen und Wünsche hast du bezüglich deines Aufenthaltes?

Ich möchte die Kraft und Energie der Menschen dort kennen lernen, vielen verschiedenen Menschen begegnen und soziale Kontakte knüpfen Es soll nicht bei der einen Reise nach Südamerika bleiben. Natürlich möchte ich auch viel vom Land sehen.

5. Gibt es auch Befürchtungen?

Nicht wirklich, nur viele Fragen. Aber ich habe zum Glück genügend Leute, die sie mir beantworten. Die einzige Befürchtung ist, nicht genug zu sehen.

6. Wie haben deine Eltern und Freunde auf deine Entscheidung reagiert?

Die Reaktionen fielen sehr unterschiedlich aus. Freunde und Nachbarn bewundern den Schritt und wünschen mir alles Gute.

Meinen Eltern macht der Gedanke an die große Entfernung zu schaffen und noch viel mehr, dass sie nicht so viel über Brasilien wissen. Natürlich erkläre ich ihnen alles und lass ganz schlimme Dinge weg, um sie nicht zu beunruhigen. Trotz ihrer Befürchtungen stehen sie ganz hinter meiner Entscheidung und wünschen das Beste für mich. Allerdings wollen sie nicht, dass ich so lange in Brasilien bleibe.

7. Du bist Muslim – der Aktionskreis Pater Beda ist vor allem christlich motiviert. Spielt das für dich eine Rolle?

Nein, nicht wirklich. Ich bin sowieso mit der christlichen Kultur und den christlichen Bräuchen gut vertraut. Und ich denke nicht, dass es für die Menschen in Brasilien ein Problem darstellen wird – weil auch das Christentum eine Religion der offenen Arme ist.

8. Wie sehen die Vorbereitungen für diese Reise aus?

Zunächst einmal muss ich natürlich Portugiesisch lernen. Dafür benutze ich eigene Bücher und sehe mir Filme, Serien und Dokumentationen auf Portugiesisch an. Außerdem lerne ich im Portugiesisch-Kurs von Bernd Lobgesang und zusammen mit brasilianischen Studierenden aus dem Studienkolleg. Bei meinen Lerneinheiten lasse ich mir auch die Kultur des Landes erklären. Worauf muss ich achten, damit ich keine großen Fehler mache? Ich lese Bücher über Brasilien und Erfahrungsberichte von Leuten, die mal Vorort waren oder immer noch dort leben.

Natürlich gehe ich arbeiten, um die Kosten der Reise tragen zu können.

9. Musst du die Reise allein finanzieren oder gibt es Unterstützung?

Nein, zum Glück muss ich nicht alles allein tragen. Die Schule, der ASTA und die Eine-Welt-Gruppe, in der ich selbst mitarbeite, unterstützen mich. Dafür bin ich sehr dankbar.

10. Gibt es auch ein touristisches Programm?

Ein touristisches Programm kann ich mir allenfalls in Recife vorstellen. So, dass ich mir Sehenswürdigkeiten der Stadt ansehe. Aber auf ein touristisches Programm bin ich sowieso nicht aus.


Das Interview führte Anneliese Dieckmann.