UNESCO-Projektschultag Programm (April 2008)
Alle zwei Jahre UNESCO-Projektschultag


Nebeneinander - Miteinander - Heimat finden. Wie viel Integration brauchen wir?

UNESCO-Projektschultag 

Freitag, 25.04.2008

Programm:

8.10 - 9.45 Uhr:
regulärer Unterricht

10.00 - 10.20 Uhr:
Begrüßung: Gerborg Meister
Dritte-Welt-Koordinatorin des Comenius-Kollegs

Einführung in das Thema:
Migration/Integration: Gilberto Rescher
Transnationalization and Development Research Center/Universität Bielefeld

10.25 -12.30 Uhr:
Arbeitsgruppen

12.30 Uhr:
Darstellung der Gruppenergebnisse

13.15 Uhr: Gemeinsames "Weltessen"
Das Organisationsteam freut sich, wenn ihr verschiedene kleine Gerichte mitbringt. Schön wäre es, wenn ihr auch die Rezepte aufschreiben könntet.
Madalena Alves Hensen koordiniert das Weltessen. Wer mithelfen oder etwas absprechen möchte, wende sich bitte an sie.


Arbeitsgruppen:
Neben den Gruppen 1 bis 9 gibt es noch eine Mediengruppe, die den Projekttag für die Öffentlichkeit aufarbeiten will. Kontakt: Andres Buchholz, 3. Semester

Weiterhin werden Gruppen durch die Wanderausstellung geführt.
Im Deutschunterricht in Comenius- und Studienkolleg erfolgt das Eintragen in die Listen für die 

12084315601 Das Logo der deutschen UNESCO-Kommission
(zum Vergrößern Bild anklicken)


Arbeitsgruppen. 


Gruppe 1

„Ausgegrenzt“- Flüchtlinge in Bramsche-Hesepe
Moderator: Timo Luthmann

Timo Luthmann, ein ehemaliger Kollegiat, der derzeit an der Universität Osnabrück im gesellschaftswissenschaftlichen Bereich studiert, drehte mit einem Mitstudenten den Film „Ausgegrenzt“. Er beschreibt die Situation der heutigen Asylsuchenden in Deutschland. In der Arbeitsgruppe soll die ausgrenzende Politik, der die Asylsuchenden unterworfen sind, untersucht werden: Arbeitsverbote, Residenzpflicht. Dabei wird die niedersächsische mit der europäischen Lagerpolitik verglichen.



Gruppe 2

Ausländische Arbeitnehmer in Deutschland
Moderatorin: Annliese Dieckmann-Nolting

1. Deutschland – ein Einwanderungsland?
- Überblick über die Geschichte der „Gastarbeiter“ vom ersten Anwerbeabkommen 1955 bis zum Zuwanderungsgesetz
- Conny Froboes: Zwei kleine Italiener....

2. Wie gehen wir mit den „Fremden“ um?
- Gespräch über einen berühmten Text von Max Frisch: „Ein....Herrenvolk sieht sich in Gefahr; man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kamen Menschen. Sie fressen den Wohlstand nicht auf, im Gegenteil, sie sind für den Wohlstand unerlässlich...“
- Begriffsklärung: Was heißt Integration? (Assimilation – Anerkennung der Rechtsordnung?)

3. Beispiele (alternativ)
- Ein „Gastarbeiter“ der ersten Generation erzählt....
- Filmbeispiele von der CD „Spurensuche“
- Auszug aus Feridun Zaimoglus Roman „Leyla“




Gruppe 3

Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg
Moderator: Dr. Hubertus Rescher

Der Zweite Weltkrieg setzte die bislang größte Völkerwanderung in der Geschichte der Menschheit in Gang. Abertausende Menschen wurden zwangsumgesiedelt oder flohen vor dem Kriegsgeschehen. Aber mit dem Kriegsende war das Ende dieser Massenmigration noch längst nicht gekommen. Viele Menschen fanden sich an Orten wieder, von denen sie vielleicht einmal im Schulunterricht gehört hatten, für viele war ihre Heimat verschlossen, viele mussten sie nun erst verlassen, manche Territorien existierten gar nicht mehr.
In dieser Arbeitsgruppe soll über Flucht und Vertreibung von Deutschen gesprochen werden, bei weitem nicht die einzigen, die flüchten mussten oder vertrieben wurden und erst recht nicht die größte Gruppe. Sie stehen aber auch für eine gelungene Integration in die hiesige Gesellschaft, was vielleicht Anregungen für die Gegenwart mit ihren Flüchtlingen geben könnte.
Die Auswahl erfolgte wegen der für uns (vor allem sprachlich) günstigen Quellenlage und weil ein Zeitzeuge über seine Flucht aus Oberschlesien berichten wird, die ihn u.a. auch in die verheerende Bombennacht und den Feuersturm von Dresden führte. Der damals 12 Jahre alte Erwin Gogolok ist heute unser Schulleiter, Pater Osmar.


12084315602 Das Comenius-Kolleg gehört zu diesem internationalen Netz.
(zum Vergrößern Bild anklicken)


Gruppe 4

Deutschland und die Welt – die Welt und die Deutschen
Moderator: Bernd Lobgesang

Was ist „typisch deutsch“? Gibt es das überhaupt oder ist es nur ein Hirngespinst? Wie sehen sich die Deutschen und wie werden sie von Ausländern gesehen? Wie fühlen sich Ausländer in Deutschland und Deutsche im Ausland? Diese Fragen und einige andere mehr werden die Arbeitsgruppe beschäftigen. 

Das Programm könnte wie folgt aussehen: 

Die Kursteilnehmer beschreiben ihr Bild von Deutschland.

Kurze geschichtliche Darstellung der Entstehung der deutschen Sprache, Kultur und Nation

Die Gruppe G 1/1 des Studienkollegs stellt die Ergebnisse ihrer Befragung der Ausländer am Kolleg über deren Wahrnehmung Deutschlands vor.

Diskussion der Ergebnisse und erste Schlussfolgerungen

Deutschland-Bilder in Texten und Karikaturen (vielleicht auch im Film) 

Was verstehen wir unter einem zukunftsfähigen Deutschland in einer sich wandelnden Welt?


Gruppe 5

Qualitative Interviews durchgeführt bei Personen mit Migrationserfahrung
Moderatorin: Angela Haase-Nimzik

Kollegiaten des Soziologiegrundkurses des 3. Semesters studieren Biografien mit Migrationshintergund aus ihrer persönlichen Umgebung. Sie schreiben - mit Zustimmung der/des Betroffenen auf der Grundlage eines qualitativen Interviews - eine Reportage über deren/dessen Leben. 

Die Studierenden spüren gemeinsam mit ihrer Gesprächspartnerin bzw. ihrem Gesprächspartner Entscheidungssituationen in Kindheit, Schule, Berufsausbildung und Karriere, Partnerschaft und Familie auf, die sich im Nachhinein als Weichenstellungen bzw. Brüche für den Lebensweg erwiesen haben. Sie versuchen gemeinsam mit ihrer Gesprächspartnerin bzw. ihrem Gesprächspartner zu klären, wie diese Weichenstellungen/Brüche bewältigt wurden und welche Orientierungen das jeweilige Verhalten bestimmt haben. Dabei liegt das besondere Augenmerk der durchgeführten qualitativen Interviews bei der Erforschung von gelungener bzw. nicht gelungener Integration in die bundesrepublikanische Gesellschaft.
Wissenschaftstheoretisch beruhen die qualitativen Interviews auf der Erkenntnis der Individualisierung im gesellschaftlich-kulturellen Bereich als ein Schlüssel zum Verständnis der sog. Risikogesellschaft. Die Studierenden suchen nicht prototypische, ideale Lebensmodelle, sondern Protagonisten dafür, was „eigenes Leben“ (Ulrich Beck) ausmacht. 

Am Projekttag werden die Interviews ausgewertet. Studierende der anderen Semester sind herzlich willkommen. 


Gruppe 6

Theaterwerkstatt zum Thema Integration
Moderatorin: Gerborg Meister

Durch Schreibspiele und kurze szenische Darstellungen soll die Problematik von Flucht, Verlassen der Heimat, Integration in ein ausgewähltes Land nachempfunden werden.
Die Methodik dieser Arbeitsgruppe beruht auf den Erkenntnissen von Augusto Boal, der das Theater der Unterdrückten entwickelt hat. Mit Hilfe dieser Theaterform sollen Formen der Unterdrückung bewusst gemacht werden und Menschen gestärkt werden, sich gegen die Unterdrückung zu wehren. Im Hinblick auf das Thema „Integration“ soll uns bewusst werden, inwiefern Vorurteile Integration erschweren.


Gruppe 7

Integration und Migration in den Medien
Moderatorin: Barbara Kössendrup

In der aktuellen Diskussion über Zuwanderung spielen Massenmedien eine entscheidende Rolle, weil sie das öffentliche Bewusstsein ganz erheblich beeinflussen.
In den von den Politikwissenschaftlern C. Butterwegge und G. Hentges herausgegebenen Sammelband „Massenmedien, Migration und Integration“ kann als Ergebnis festgehalten werden, dass frei nach dem Motto „bad news are good news“ vor allem sensationslüsterne Schlagzeilen und Stereotype Nachrichtenwert haben, nicht aber das alltägliche friedliche Zusammenleben von Zugewanderten und Deutschen. Damit würden sie wesentlich zu einem Negativimage von Migrantinnen und Migranten beitragen (vgl. Blickpunkt Integration 02/2007).

Gruppe 8

Transnationale Migration, oder was sind eigentlich die Grundlagen für "Integration"?
Moderator: Gilberto Rescher

In dieser Arbeitsgruppe werden wir über ein Phänomen sprechen, dessen unterschiedliche Ausprägungen in der Wissenschaft mit Begriffen wie Transnationalität, transnationale soziale Räume, transnationale Felder, transnationale Migration und Transnationalismus bezeichnet werden. Es handelt sich dabei um die soziale Realität von Menschen (und Gruppen, Organisationen etc.), deren Leben und Existenz nicht mehr auf den festen geographischen und sozialen Raum eines Nationalstaates oder einer Nationalgesellschaft bezogen ist. Dieses Denken im nationalstaatlichen Rahmen, das in Rückgriff auf Albert Einstein oft als Container-Denken kritisiert wird, bildet meist immer noch die Grundlage für Diskussionen über Migration, Zuwanderung, Integration und ähnlichem. Durch diese Vorstellungen des Einfügens in ein Territorium, das exklusiv einer Nationalgesellschaft zugerechnet wird, entstehen viele der Missverständnisse, Vorurteile und Spannungen, die immer wieder in den entsprechenden Diskussionen auftauchen. Dieses Denkschema, das sich sowohl in politischen Diskussionen als auch im nicht-politischen Bereich, und zwar nicht nur an Stammtischen, wiederfindet, geht zu einem großen Teil an der sozialen Realität und Lebenswirklichkeit vieler Menschen vorbei.

Migration ist seit Anfang der Menschheitsgeschichte ein fester Bestandteil menschlichen Lebens und gesellschaftlicher Organisation gewesen. Die aktuelle Vorstellung, dass Menschen einen festen Ort haben, an den sie gehören und der ihnen gehört, ist dagegen sehr neu und wirkt absurd in Anbetracht des Zeitraums, in dem Wanderungen zur menschlichen Normalität gehörten. In den letzten Jahren ist die Vorstellung von Migration als einem normalen Teil menschlichen Lebens in der Migrationsforschung (und verwandten Disziplinen) in den so genannten Transnationalitätstheorien diskutiert worden. Dort war zunächst einigen Forscherinnen und Forschern aufgefallen, dass es Menschen gibt, insbesondere Migranten, deren Leben nicht nur auf einen Ort ausgerichtet ist, sondern die im Prinzip über die Grenzen von Nationalstaaten hinweg mit mehreren Orten in Verbindung stehen und so quasi an mehreren Orten leben und an den dortigen sozialen Geschehnissen teilhaben. Diese Menschen sind an mehreren Orten zu Hause und integrieren sich entsprechend in mehrere Gesellschaften. Vor diesem Hintergrund erscheint der Anspruch, "Zuwanderer" ausschließlich in eine Na-tionalgesellschaft integrieren zu wollen, als vollkommen abwegig. 

In dieser Arbeitsgruppe werden wir uns anhand von Beispielen diesen transnationalen Phänomenen nähern und dabei versuchen, uns von dem Container-Denken zu lösen, um die Lebens-wirklichkeit transnationaler Migranten (und anderer Menschen, die in transnationalen Feldern leben oder mit diesen verbunden sind) nachzuvollziehen. Auf dieser Grundalge werden wir dann diskutieren, welche Auswirkungen diese andere Sichtweise auf Integrationsdiskussionen und -politiken haben müsste.


Gruppe 9
Einwanderung – ein deutsches Problem?
Moderatoren: Marion Finkmann und Klaus Jordan

Es werden unterschiedliche Materialien im Hinblick auf die Ursachen der weltweiten Wanderungsbewegungen recherchiert.