Unesco-Projektschultag voller Erfolg (April 2008)

 

Begrüßung in einem Dutzend Sprachen von vier Kontinenten.


Nebeneinander – Miteinander – Heimat finden

UNESCO-Projekttag am Comenius-Kolleg

„Erst wenn die Lebensart der Migranten akzeptiert wird, findet Integration statt.“ Und: „Integration gibt es nicht ohne Kenntnis der Migranten.“ So resümierte Gilberto Rescher, Doktorand an der Universität Bielefeld, in seinem Einführungsvortrag zum Projekttag am Comenius-Kolleg. Anhand seines Untersuchungsfeldes Mexiko schilderte er, dass oft Migranten an verschiedenen Orten gleichzeitig lebten. So könnten z.B. Mexikaner in den USA wohnen und arbeiten, aber durch ihre Geldüberweisungen die Entwicklungen in ihrem mexikanischen Dorf beeinflussen. Das entspreche nicht dem üblichen Bild von Migration, dass jemand – meist aus ökonomischen Gründen – einmalig den Lebensmittelpunkt wechsele. Ein Verständnis von Migration als Transnationalität aber, dass das Leben von Menschen nicht auf den Rahmen eines Nationalstaates bezogen sei, fordere auch eine andere Integration, die eben nicht Assimilation sei.


Mit diesem provozierenden und spannenden Einblick in aktuelle Forschungen leitete Gilberto Rescher den UNESCO-Projekttag am Comenius-Kolleg ein, der unter dem Schwerpunktthema „Integration und Heimat“ stand. Damit beteiligten sich die Studierenden und Lehrenden an dem 7.Internationalen Projekttag der UNESCO-Projektschulen. Allein in Deutschland beschäftigten sich mehr als 25000 Schülerinnen und Schüler mit dieser Thematik im Unterricht, in fächerübergreifenden Projekten und Aktionswochen.
Am Kolleg ermöglichten unterschiedliche Arbeitsgruppen ein facettenreiches Bild der Thematik. Timo Luthmann, ein ehemaliger Schüler, zeigte den Film „Ausgegrenzt“ über das Flüchtlingslager Bramsche-Hesepe und informierte und diskutierte über die Probleme von Flüchtlingen und Asylbewerbern, die von Abschiebung bedroht sind oder vor der Entscheidung über eine freiwillige Ausreise stehen. „Was ist typisch deutsch?“ – das versuchten Studierende – Ausländer und Deutsche – in einer anderen Arbeitsgruppe zu klären. Bier, Pünktlichkeit und Fleiß oder Nazis oder gar Multikulturalität? Vor allem in der Sicht von Studienkollegiaten scheint Deutschland – auch - ein multikulturelles Land zu sein. In einem anderen Raum des Kollegs stellte sich dessen Leiter, Pater Osmar, den Fragen der Teilnehmer als Zeitzeuge der Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg, denn er flüchtete damals als Schüler aus Oberschlesien. Andere Gruppen arbeiteten zum Bild der Migration und Integration in den Medien, zu internationalen Wanderungsbewegungen, zu transnationaler Migration, zu den Auswirkungen des Migrationshintergrundes auf die Lebensgeschichte von Menschen. Eine Theaterwerkstatt ermöglichte einen anderen Zugang zu der Thematik.
Den Projekttag rundete ein großes internationales Essen ab, dessen Gerichte von den Teilnehmern hergestellt worden waren. Die Rezepte sollen später auf der Internetseite des Kollegs veröffentlicht werden. Bei der schon von herrlichen Essensdüften überlagerten Vorstellung der Arbeitsgruppenergebnisse formulierte eine Studienkollegiatin aus Thailand bei der Frage nach ihrem Heimatverständnis: „Heimat ist da, wo es thailändisches Essen gibt.“ Und das war am Kolleg an diesem Tag der Fall.
Text: Gunther Biesewig; Fotos: Karla Helms-Pallas, Heinz Schoenke, Andreas Buchholz & Mediengruppe