Studierende mit kirchlichen Berufen (Mai 2008)
Von links: Eric, Wellington, Jacinta, Igor, Andrej, Júnior.


„Kirche ist auch für junge Leute da.“
Studierende des Studienkollegs mit kirchlichen Berufen
Gibt es noch junge Menschen, die sich für einen kirchlichen Beruf interessieren? Unter den 70 Studierenden am Studienkolleg ist ein halbes Dutzend junger Menschen, die ihr Leben an die Kirche gebunden haben.
Schwester Jacinta Nithenya Kitonyi (26 Jahre) möchte junge Leute für diesen Weg begeistern. „Es lohnt sich“, sagt sie. Schwester Jacinta, stammt aus Kenia und gehört zum Orden der Marianhiller. Vier Sprachen spricht sie: Kikamba, Kiswahili, Englisch und Deutsch. Sie möchte Germanistik und Theologie für das Lehramt studieren und dann unterrichten. Wo? „Dort, wo der Orden mich hin-schickt.“
Igor Hollmann (27) wurde in Moskau geboren und lebte dann mit seiner Familie in Barnaul und später in Novosibirsk, beide in Sibirien. Dort lernte er Franziskaner kennen und fand deren Lebens-stil interessant. Er kam 2000 mit seiner Familie nach Deutschland. Der Franziskaner Igor möchte Theologie für das Priesteramt studieren und dann in der Jugendarbeit und im sozialen Bereich, z.B. mit Obdachlosen arbeiten.
Der Franziskanerbruder Wellington Buarque de Souza (25) schloss in Brasilien sein Theologiestu-dium ab. Da die nordostbrasilianischen Franziskaner zwei Niederlassungen in Deutschland haben, Bardel und Mettingen, steht er für die Verbindung zwischen beiden Teilen, beiden Kulturen. Weite-re Studien sollen in den Bereich der Umweltwissenschaften gehen. Zunächst aber geht es im Juni zurück nach Brasilien, wo er zum Vizesekretär der Provinzleitung ernannt wurde.
Priester ist schon ein weiterer Bewohner des Mettinger Klosters, der zur jungen Generation zählt, Padre Francisco de Aquino Júnior (34). Er arbeitet in Brasilien bereits als Hochschullehrer in der Millionenstadt Fortaleza, wo er auch im Sozialbereich aktiv ist, z.B. bei den Müllsammlern. Zur Zeit schreibt er seine Doktorarbeit an der Universität Münster über den spanischen Befreiungstheo-logen Ignacio Ellacuria, der wegen seines Einsatzes für die Armen in El Salvador ermordet wurde. Ellacuria hatte in Deutschland studiert. Padre Júniors Diözesanbischof Josef Haring stammt aus Westfalen.
Aus Südbrasilien kommt der Franziskaner Eric da Silva de Lima (29). Eric wollte eigentlich Inge-nieur werden, um Flugzeuge zu bauen. Dann lernte er mit 18 Jahren einen Franziskaner kennen, dessen Orden Menschen in allen Kontinenten verbindet. Seine Praktika führten ihn u.a. in die Fa-zenda da Esperança, den Hof der Hoffnung im brasilianischen Bundesland São Paulo, wo drogen-abhängige junge Menschen auf „einem anderen Weg“ von ihrer Sucht loskommen. Papst Benedikt XVI besuchte diesen Hof im Mai 2007. Junge Menschen helfen dort jungen Menschen „sich wieder selbst zu gewinnen“. Die vom Franziskanerpater Hans gegründete Bewegung ist heute in vielen Ländern vertreten, zwei Höfe in Deutschland sind in Riewend für Frauen und in Nauen/Markee für Männer. Frei Eric kennt beide. Er will Philosophie und Theologie studieren, um Priester zu werden, und dann Pädagogik und Psychologie und später mit jungen, von der Gesellschaft ausgeschlossenen Menschen arbeiten.
Von den südlichen Ausläufern des Urals aus der Stadt Orsk kam 2006 Andrej Dreier (20) nach Deutschland. Vor allem über seine Großmutter bestand dort der Kontakt zur katholischen Gemein-de. Dem ausgebildeten Mechaniker kam der Gedanke, Priester zu werden. Weil er schon in der Schule in Russland Deutsch gelernt hatte, wollte er nun aber auch in Deutschland studieren. Auch Andrej hat im Hof der Hoffnung in Nauen/Markee gewohnt und gearbeitet. Er wohnt, wenn er nicht in Mettingen studiert, in Paderborn, wo er studieren und Priester werden möchte, um dann mög-lichst in der Jugendarbeit tätig zu werden. Auch er ist der Meinung: „Kirche ist auch für junge Leu-te da.“ Die sechs Studierenden stellen dies unter Beweis.
Fünf von ihnen, Padre Júnior hat das schon hinter sich, legen im Mai bzw. im kommenden Semester die Feststellungsprüfung ab, die ihnen dann das Recht gibt, in Deutschland an Universitäten zu studieren. Vergessen, so versichern sie, werden sie aber den gastfreundlichen Ort Mettingen mit seinem internationalen Kolleg nicht.
Text und Foto: Hupsy