Studierende trifft brasilianischen Bischof (Mai 2009)
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12434608340 Svetlana bei der Vernstaltung in Münster


Studierende des Comenius-Kollegs trifft den brasilianischen Bischof Dom Cappio in Münster

Am Mittwoch, dem 20.5., hatte Svetlana Okouneva, Studierende des ersten Semesters am Comenius-Kolleg, die Gelegenheit, den brasilianischen Bischof Dom Cappio in Münster zu treffen. Dort erklärte Dom Cappio und sein Begleiter den Gruppen, die die Arbeit von Dom Cappio und den Basisbewegungen in Brasilien bisher unterstützten, die aktuelle Situation am Rio São Francisco. Dom Cappio ist weltweit bekannt geworden durch seine mehrmaligen Hungerstreiks, mit denen er gegen die Ableitung von Wasser aus dem Rio São Francisco im Nordosten von Brasilien protestierte. Sein Hungerstreik und die Proteste der vielen sozialen Bewegungen vor Ort lösten eine weltweite Solidarität mit den betroffenen Indianern, Kleinbauern und Fischern aus, deren Existenzgrundlage durch die Ableitung der Flusswassers zerstört wird. So werden Teile von indianischen Reservaten, die laut Verfassung eigentlich den Indianern zustehen und ihre Lebensgrundlage schützen sollen, zerstört, da die für die Ableitung nötigen Wassergräben quer durch die Reservate gehen. Für die etwas 700 km langen Kanäle werden im Querschnitt 2 km Natur zerstört. Durch die Ableitung des Wassers führe der Rio São Francisco zukünftig so wenig Wasser, so dass der Fischbestand drastisch sinken wird und die Kleinfischer ihre Lebensgrundlage verlieren. Die Agroindustrie bedroht die Kleinbauern immer stärker. Sie nutzt beispielsweise das Wasser zur Bewässerung ihrer Großplantagen, auf denen Früchte und Zuckerrohr produziert werden. Die Früchte werden direkt ins Ausland exportiert und können auf unsern Märkten gekauft werden, d. h. in Gestalt der Früchte wird Wasser aus den Trockengebieten Brasiliens exportiert, während die Kleinbauern um ihr Land und um Wasser bangen. Der Zuckerrohr wird zur Alkoholproduktion benutzt und dem Sprit für die Autos beigemischt.


12434608371 Svetlana und Bischof Dom Cappio


Allein der Bau der zwei Ableitungskanäle, die insgesamt eine Länge von etwa 700 km haben, verbraucht den meisten Zement der Welt. Daher sind dort vier riesige Zementfabriken entstanden. In den Kanälen müssen Pumpstationen eingebaut werden, damit das Wasser eine Höhe von etwa 135 Meter überwinden kann. Dort, wo das Wasser ankommen soll, sind 70% des abgeleiteten Wassers für die industrielle Landwirtschaft (Obstanbau, Zuckerrohr und Shrimpszucht), 26 % für die Großstädte und Industriekomplexe und nur vier Prozent für die Versorgung von Familienbetrieben in den Trockenzonen vorgesehen.
Svetlana Okouneva hat durch die Begegnung mit dem Bischof erfahren, wie wichtig die Protestaktionen sind, die auch vom Arbeitskreis „Eine Welt“ des Comenius-Kollegs durchgeführt wurden. Die vom Ausbau der Kanäle betroffenen Bevölkerungsgruppen werden durch die Solidarität der Menschen in Deutschland in ihrem Kampf gestärkt. Außerdem kann jeder von den deutschen Konsumenten durch sein Kaufverhalten dazu beitragen, dass kein „verstecktes“ Wasser aus Brasilien nach Deutschland kommt.
Fotos und Text: Gerborg Meister