Besuch in der JVA Lingen (März 2010)

 

Die Teilnehmer des Leistungskurses Soziologie 4. Semester in Lingen


Der LK-Soziologie 4. Semester besucht die JVA Lingen
Da das Zentralabitur fordert sich im Fach Soziologie mit abweichendem Verhalten zu beschäftigen, machte sich der Leistungskurs Soziologie des 4. Semesters zur Justiz-Vollzugs-Anstalt (JVA) in Lingen auf den Weg. Die Frage stand im Raum, wie in solch einer totalen Institution die Spannung zwischen Bestrafung und Schutz der Gesellschaft vor straffälligem Verhalten einerseits und der Resozialisierung der Gefangenen andererseits gelöst werden kann.
Bei dem Rundgang, der uns durch Teile der JVA im Stadtzentrum von Lingen führte, konnte man den Grundsatz des niedersächsischen Justizvollzugsauftrages, Gefangene zu befähigen, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen, deutlich erkennen. Die ursprünglichen Gebäude wurden bereits 19. Jahrhundert gebaut. Schon 1939 wurde in das Gefängnis ein eigenes Krankenhaus integriert und seit 1995 eine sozialtherapeutische Abteilung geschaffen, die 2003 durch einen weiteren Neubau vergrößert wurde. Heute nehmen 46 von den 261 Strafgefangenen an einer Sozialtherapie teil. 31 von ihnen sind Untersuchungsgefangene und 83 liegen im Justizvollzugskrankenhaus, das für ganz Niedersachsen zuständig ist. Neben der JVA in Lingen gehört das Gefängnis in Groß Hesepe mit 331 Gefangenen, das Untersuchungsgefängnis in Osnabrück mit 70 Insassen und ein Haus des offenen Vollzugs in Osnabrück mit 33 Strafgefangenen zur JVA in Lingen.
Die baulichen Sicherheitsmaßnahmen wurden in den letzten Jahren weiter ausgebaut, um die Fluchtmöglichkeiten zu verringern.
Für jeden Gefangenen wird nach einer Behandlungsuntersuchung ein eigener Vollzugsplan entwickelt. Die Bereitschaft der Gefangenen an der Mitwirkung des Vollzugszieles wird gewünscht. Die Gefangenen können im offenen oder geschlossenen Vollzug untergebracht werden. Sie können in die sozialtherapeutische Anstalt verlegt werden. Sie sollten arbeiten, Sport treiben und sich schulisch und beruflich weiterbilden.
Foto und Text. Gerborg Meister