Teutoburger Ölmühle besucht (März 2011)

13018355020 Zu Besuch in der Teutoburger Ölmühle


Regional produzieren – global denken
Volkswirtschaftslehre-Kurs des Comenius-Kollegs besucht Teutoburger Ölmühle in Ibbenbüren
„Seit Fukushima verlangen Abnehmer von uns ein Papier mit der Bestätigung, dass unsere Produkte nicht radioaktiv belastet sind.“ So verdeutlichte Dr. Christian Schein, einer der Geschäftsführer der Teutoburger Ölmühle, dass die Globalisierung – aktuell die Bedrohung durch die Reaktorkatastrophe in Japan – auch vor seinem Unternehmen nicht Halt macht. Er machte aber deutlich, dass es bisher keine echten Auswirkungen gibt, weil die Ölmühle ihre Vorprodukte, v. a. den Raps, möglichst aus regionalem Anbau bezieht. Dabei hat sich der Einzugsbereich in den letzten 10 Jahren aufgrund der Erfolgsgeschichte der Ölmühle stetig vergrößert.
Mehr über solche Fragen wollten die Studierenden des 5.Semesters des Comenius-Kollegs erfahren, die sich im Unterricht gerade mit den ökonomischen Aspekten der Globalisierung beschäftigen.
Beim Absatz des produzierten Öls hat die Ölmühle laut Dr. Schein die regionalen und nationalen Grenzen schon weit überschritten. Nachdem man in Deutschland überall im Lebensmitteleinzelhandel gelistet sei, aber auch Naturkostläden und Reformhäuser versorge, liefere man aktuell z.B. schon nach Österreich und in die Schweiz, nach England und Frankreich und versuche auch ehemalige Ostblockländer wie Polen und Slowenien als Märkte zu gewinnen.
Beeindruckt waren die Studierenden auch von dem Ansatz der Ölmühle, nämlich Öle umweltverträglicher herzustellen. Das von Dr. Schein dargestellte Verfahren des Schälens von Raps und der „kalten“ Pressung, das sich die Studierenden während der Führung anschauen konnten, schützt z.B. die Umwelt vor der Belastung mit vielen Tonnen von Hexan, das bei der konventionellen Produktion während der Raffination eingesetzt wird.
Ein anderer interessanter Aspekt war das Bemühen der Ölmühle um Nachhaltigkeit. So sollen alle Teile der Rapssaat möglichst sinnvollen – auch in betriebswirtschaftlicher Sicht - Nutzungen zugeführt werden. Z.B. wird das bei der Pressung des Schalenanteils gewonnene Öl im eigenen Blockheizkraft verwendet, zur Erzeugung der bei der Produktion notwendigen Energie und der Heizungswärme. 
Ein aktuelles Projekt besteht laut Dr. Schein darin zu prüfen, inwieweit der übrig bleibende Presskuchen außer als Futtermittel zu nutzen sei. Immerhin habe er einen Proteingehalt von etwa 30 Prozent. Während Sojaprodukte oft aus gentechnisch veränderter Soja hergestellt werden – bei Soja lässt sich kaum noch eine Unterscheidung treffen –, hat Europa bisher erfolgreich den Einsatz von gentechnisch verändertem Raps verhindert.
Wie wichtig es ist, bei wirtschaftlichen Prozessen fächerübergreifend zu denken und zu handeln, um erfolgreich, aber auch verantwortlich zu handeln, war wohl die wichtigste Erkenntnis des Besuches. Nachdem gerade noch über die Fruchtfolge bei Raps gesprochen worden war, veranschaulichte Dr. Schein ungesättigte und gesättigte Fettsäuren, wobei seine beiden Hände kaum ausreichten. Und schon wenig später ging es um Kraft-Wärme-Kopplung oder Dimensionen der eingesetzten Pressen. Vielleicht hat diese Erfahrung ja Auswirkungen für die Studienwahl der Kollegiaten, die wenige Monate vor dem Abitur stehen. 
Foto: Elke Wiltfang; Text: Gunther Biesewig