Mühsamer Kampf für die Rechte der Frauen (Juli 2011)
Creuza Maria de Oliveira 


Mühsamer Kampf für die Rechte der Frauen
Brasilianerin berichtet im Comenius-Kolleg 
del. Mettingen. Creuza Maria Oliveira weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, als Hausangestellte zu arbeiten: ausgenutzt, schlecht behandelt, vielleicht sogar missbraucht. Im Norden ihres Heimatlandes Brasiliens ist es ganz normal, dass bereits Kinder in fremden Haushalten Tätig sind.
Auch Creuza Oliveira hat als Zehnjährige als Hausangestellte angefangen. Heute ist sie Vorsitzende des Dachverbandes der Hausangestelltengewerkschaft in Brasilien (Frenetrad). Als Mitglied einer Kommission der internationalen Arbeitsorganisation hat sie außerdem an der Ausarbeitung der Konvention zum Schutz der Hausangestellten weltweit mitgearbeitet.


Während der Kampagne „Frauen am Ball – Anst0ß für Frauenrechte weltweit“ der Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt (ASW) war Creuza Oliveira in der vergangenen Woche zu Gast in Mettingen im Comenius-Kolleg. Vor rund 50 Studierenden sprach sie über ihre Erfahrungen als Hausangestellte und über ihren Kampf für deren Rechte.
Besonders für die minderjährigen Mädchen bricht sie eine Lanze. Es gibt etwas eine halbe Millionen, die in privaten Haushalten Putzen, kochen und waschen. Oft sind sie am Arbeitsplatz sexuellen Belästigungen und Gewalt ausgesetzt.
Die ASW wollte den Event-Charakter der Fußballweltmeisterschaft der Frauen nutzen, um mehr Bewusstsein für die Rechte der Frauen zu schaffen, berichtet die ASW-Mitarbeiterin Silke Tribukait.
Creuza Maria de Oliveira ist zum ersten Mal in Deutschland. Mettingen ist die letzte Station ihrer Tour mit der ASW, bevor es über Österreich wieder nach Hause geht.
Temperamentvoll lässt sie die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte Revue passieren. Ärgerlich und zornig redet sie über die viel zu langsamen Fortschritte, die erzielt wurden. In den Zwangspausen, in denen Tribukait aus dem Portugiesischen in Deutsche übersetzt, beruhigt sie sich ein wenig, um dann engagiert fortzufahren.
Stolz auf die Konvention
Vieles sei schon besser geworden, weiß sie und ist auch stolz auf die Konvention, die im Juni verabschiedet wurde. Aber sie ist sich aus dessen bewusst, dass es jetzt erst richtig losgeht, denn alle Länder müssen sie ratifizieren, sie zu nationalen Gesetzen machen und vor allem dafür sorgen, dass sie eingehalten werden.
Creuza Maria de Oliveira setzt auf die Präsidentin Brasiliens, die versprochen habe, das südamerikanische Land werde das erste sein, das die Konvention umsetze.
Auch wenn schon einiges geschafft ist, die Gewerkschafterin wird weiter für ein würdiges Leben der brasilianischen Hausangestellten kämpfen.

Text und Foto: Dietlind Ellerich, Ibenbürener Volkszeitung, auch erschienen in: Neue Osnabrücker Zeitung vom 22.07.2011. Wir danken den Zeitungen und der Autorin für die freundliche Genehmigung, den Beitrag auf unserer Homepage veröffentlichen zu dürfen.