Kindersoldaten mit Geld und Versprechungen gelockt (Mai 2013)

 

 

Terre-des-Hommes-Referent Ralf Willinger (3. von r.) sprach vor Studierenden des Comenius-Kollegs über zwangsrekrutierte Kindersoldaten.Dietlind Ellerich


Rund 250 000 teils zwangsrekrutierte Kindersoldaten gibt es. Ralf Willinger, Mitarbeiter von Terre des Hommes sprach mit uns über die Situation in Afrika und Lateinamerika und über die Chancen zur Reintegration der Kinder und Jugendlichen in die Gesellschaft.

METTINGEN. Obwohl die UN-Kinderrechtskonvention den Einsatz von unter 18-Jährigen als Soldaten verbietet, gibt es heute rund 250 000 teils zwangsrekrutierte Kindersoldaten. Ralf Willinger, Mitarbeiter von Terre des Hommes sprach vor den Studierenden des Mettinger Comenius-Kollegs und mit unserer Zeitung über die Situation in Afrika und Lateinamerika und über die Chancen zur Reintegration der Kinder und Jugendlichen in die Gesellschaft.

Wieso gibt es trotz des Verbotes so viele Kindersoldaten?

Willinger: Ein Problem war bisher die Straffreiheit für die Täter. Erst in 2012 wurden erstmals Verantwortliche vom Internationalen Strafgericht in Den Haag verurteilt. Wir hoffen, dass es in Zukunft auch auf nationaler Ebene Gerichte gibt, die den Mut dazu haben. Ein weiterer Grund ist, dass Kindersoldaten sehr billig sind. Die große Mehrheit der Kinder und Jugendlichen ist „freiwillig“ im Einsatz, sei es, weil sie mit Geld und Versprechungen gelockt werden oder aus Rache und Abenteuerlust.


Könnten wir etwas zur Lösung des Problems beitragen?

Willinger: Spenden Sie für Hilfsprojekte, die ehemalige Kindersoldaten betreuen und sich dafür einsetzen, dass Kinder nicht mehr rekrutiert werden. Wichtig ist der Einsatz für eine friedliche Konfliktlösung.

Welche Hilfsprojekte gibt es konkret?

Willinger: Um ein Zeichen gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten zu setzen, sollten möglichst viele die Aktion „Rote Hand“ des Deutschen Bündnisses Kindersoldaten unterstützen.

Was kann die Politik tun?

Willinger: Der deutschen Politik muss klar sein, dass Kindersoldaten betroffen sind, wenn sich die Bundeswehr in Syrien oder Afghanistan militärisch einmischt. Außerdem sollten keine Waffen in Krisenländer exportiert werden. Das Problem der Kindersoldaten sollte allen aus den Nachrichten bekannt sein.

Wie reagiert Ihr Publikum auf Ihre Ausführungen?

Willinger: Leider ist das Thema gar nicht so präsent, wie es sein sollte. Schüler ab zwölf Jahren sowie Erwachsene, mit denen ich zu tun habe, sind meist schockiert, weil sie das Ausmaß des Problems nicht kannten. Es herrscht eine große Betroffenheit, alle wollen, dass das aufhört.

Was kann man tun, um den Opfern, die ja irgendwie auch Täter sind, zu helfen?

Willinger: In Burma bemüht sich ein von Terre des Hommes gefördertes Projekt um die Aufklärung der Dorfbewohner und um den Dialog mit den Kriegsparteien. Ziel ist, dass keine Kinder mehr rekrutiert und aktive Kindersoldaten entlassen werden.

Was wird noch getan?

Willinger: In Kolumbien ist die psychosoziale Betreuung der entlassenen Kindersoldaten ein Schwerpunkt der Arbeit. Die Jugendlichen dürfen nicht allein gelassen werden. Bildung und Perspektiven sind ebenfalls sehr wichtig.


Quelle: IVZ Autor: Dietlind Ellerich vom 4.5.2013
http://www.ivz-online.de/lokales/mettingen_artikel,-Kindersoldaten-mit-Geld-und-Versprechungen-gelockt-_arid,203485.html