Pater Osmar gibt Leitung ab

Pater Osmar gibt Leitung abNach rund 40 Jahren gibt Pater Osmar Gogolok die Leitung des Mettinger Comenius-Kollegs ab. Für ein Jahr soll zunächst Stellvertreterin Susanne Böttcher die Weiterbildungseinrichtung kommissarisch führen.

Pater Osmar Gogolok, langjähriger Oberstudiendirektor des Mettinger Comenius-Kollegs, gibt zum Ende des Schuljahrs die Leitung der Weiterbildungseinrichtung ab. Gesundheitliche Probleme hätten den Ausschlag für seine Entscheidung gegeben, sagt der 80-jährige Franziskanerpater. Am Institut für Brasilienkunde an der Sunderstraße wird der Pater weiterhin aktiv sein. Die Leitung des Comenius-Kollegs übernimmt zunächst seine Stellvertreterin, Susanne Böttcher, für ein Jahr kommissarisch. In dieser Zeit soll ein neuer Leiter eingearbeitet werden.

Pater Osmar hat das Comenius-Kolleg 1972 mitbegründet. Die Einrichtung ist durch die Übernahme des brasilianischen Kirchenordens entstanden, zu dem die Franziskanerpatres gehören. Seitdem können Männer und Frauen dort das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg machen.Click here to find out more!

Pater Osmar, der gebürtig aus Oberschlesien stammt, liegt besonders ein Aspekt am Herzen. „Wir geben Menschen eine zweite Chance.“ Das sei oft auch für viele Erwachsene, die am Rand der Gesellschaft stehen, eine Möglichkeit für einen Neuanfang. Viele hätten in Mettingen diese Chance genutzt. Ohnehin gebe es zahlreiche Absolventen, die später eine beachtliche Karriere gemacht haben. Pater Osmar nennt den Pastor von Den Haag und den Generalvikar von Osnabrück. „Das waren Schüler von uns.“

Seit 1992 ist das Studienkolleg an die Weiterbildungseinrichtung angeschlossen. Dort können Studierende aus dem Ausland die Zugangsberechtigung für deutsche Hochschulen und Fachhochschulen erwerben. Die Hälfte der rund 100 Studierenden kommt aus Lateinamerika, ein weiterer Teil aus Afrika. Diese Internationalität fördere auch die sozialen Kompetenzen der Studierenden. Am Kolleg werde ein reger Austausch der Kulturen und Religionen gepflegt, sagt Pater Osmar.

In Brasilien kümmerte sich der Franziskanerpater unter anderem um Straßenkinder. Die prägenden Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges habe er dabei sogar nutzen können. Seine Familie musste aus Oberschlesien nach Dresden fliehen und erlebte dort den Bombenangriff mit. „Meine Kindheit war mit zwölf Jahren zu Ende“, erzählt Pater Osmar. Ein Schicksal, das er mit zahlreichen Straßenkindern teilt. Das habe ihm damals bei seiner Arbeit geholfen.

Der heute 80-Jährige verbrachte knapp acht Jahre in Brasilien. Zunächst in Olinda im ältesten Franziskanerkloster im Land, später in Salvador. Dort wurde er 1959 zum Priester geweiht. Der Pater studierte Philosophie, Theologie, Pädagogik, Germanistik und Geografie. Am Comenius unterrichtete er Deutsch, Geografie und natürlich Religion. Er habe es aber nie als seine Aufgabe gesehen, Studierende zum christlichen Glauben zu bekehren. Vielmehr gehe es darum, junge Menschen wieder für religiöse Fragen zu öffnen. Bei vielen Leuten seien Grundlagen vorhanden, aber inzwischen verschüttet. „Wir versuchen, das ein bisschen aufzuarbeiten“, so der Pater.

Am Institut für Brasilienkunde erwartet ihn viel Arbeit. Das Institut ist mit mehr als 40 000 Bänden die größte Fachbibliothek zu Brasilien im deutschsprachigen Raum. „Wir müssen auf der Frankfurter Buchmesse präsent sein“, erklärt der Geistliche. Denn die Messe habe diesmal den Schwerpunkt auf Brasilien gelegt.

Quelle: IVZ, Oliver Langemeyer vom 09.07.2013

http://www.ivz-aktuell.de/lokales/mettingen_artikel,-Comenius-Kolleg-Pater-Osmar-gibt-Leitung-ab-_arid,226973.html