Multikulturelles Fußballfieber in Mettingen

Am Comenius-Kolleg verfolgen junge Menschen aus vielen Nationen die Weltmeisterschaft in Brasilien. Sie kommen aus Mexiko, Kolumbien, dem Iran, Kenia und Albanien und schauen nicht nur gespannt auf ihre Heimatteams.

WM 2014 am Comenius-Kolleg

METTINGEN. Komisch: Ausgerechnet ein Brasilianer ist bei der munteren Fußballrunde am Comenius-Kolleg in Mettingen nicht dabei. Das könnte an dem mageren Unentschieden bei der Fußballweltmeisterschaft gegen Mexiko liegen.

Das vermuten jedenfalls Daniela Maciel und Amadeus Ceballos aus Mexiko. Die beiden Kollegiaten sind bester Laune. „Wir haben das Spiel in einer brasilianischen Bar in Osnabrück gesehen“, erzählt Maciel. Die Stimmung war gut, selbst bei den Brasilianern dort. Die beiden Nationen verstehen sich ohnehin ganz gut.

Die WM bestimme derzeit auch den Schulalltag am Kolleg, erzählt Lehrer Thorsten Bahlmann. Vor allem am Studienkolleg, an dem Studierende aus dem Ausland ihre Zulassung für die Hochschule erwerben können, treffen die unterschiedlichsten Nationen aufeinander. Viele kommen aus Brasilien und anderen südamerikanischen Staaten. „Da wird natürlich untereinander ein bisschen gefrotzelt“, sagt Bahlmann.

Auch beim kleinen Treffen der Fußballfans aus Mexiko, Kolumbien, dem Iran, Kenia und Albanien sind die jungen Leute schnell im multikulturellen Fußballfieber. Christopher Kioko Mutua aus Kenia drückt der Elfenbeinküste die Daumen. Nigeria findet er nicht so gut. „Die haben uns in der Qualifikation rausgeschmissen“, berichtet der junge Kenianer. Weltmeister werde aber Deutschland. „Darauf habe ich gewettet“, sagt er. Interessant: Der Afrikaner spricht in der Wir-Form, wenn er von der Löw-Truppe schwärmt. „Wir haben eine gute Abwehr und gute Stürmer.“ Den Einwand seines albanischen Studienkollegen Agri Hysenj, Deutschland könne immer noch nicht gegen Italien gewinnen, weist er energisch zurück.

Der Kolumbianer Juan Manuel ist mit seinem WM-Team bislang zufrieden. Den Sieg gegen Griechenland hat er ebenfalls in der brasilianischen Bar in Osnabrück verfolgt. Sein Lieblingsspieler ist Gutierrez. „Der hat das zweite Tor gemacht“, berichtet Manuel. Wer Weltmeister wird, sei nicht einfach zu sagen, wird der Kolumbianer nachdenklich. Seine Favoriten sind Holland und Italien.

Die Iranerin Negin Asaadi und ihr Landsmann Mohammed Ansari haben das Spiel ihres Teams gegen Algerien ebenfalls intensiv verfolgt. „Schön, dass der Iran wieder bei einer Weltmeisterschaft dabei ist“, sagt Ansari. Er tippt auf ein Finale Deutschland gegen Holland.

Die Mexikanerin Daniela Maciel möchte natürlich, dass ihr Land gewinnt. Ähnlich wie der Kenianer Kioko Mutua schwärmt die junge Frau auch für Deutschland. „Ich bin verliebt in dieses Land und dankbar, hier zu sein“, sagt sie. Deshalb drücke sie ebenfalls den Deutschen die Daumen. Ohnehin sind sich die Kollegiaten einig, dass sie die WM in Brasilien von Deutschland aus in einer sehr angenehmen Atmosphäre verfolgen können. „Die Menschen sind sehr tolerant hier“, hat Amadeus Ceballos festgestellt.

Im Unterricht haben die Kollegiaten aber auch über die Probleme in Brasilien und der Fußballweltmeisterschaft gesprochen. „Es gibt Brasilianer, die nicht unbedingt wollen, dass ihr Land Weltmeister wird.“ Das habe eine Brasilianerin im Deutschunterricht erzählt, berichtet Agri Hysenj. Denn das könnte die Probleme des Landes, vor allem mit der Armut, überdecken.

 

Autor: Oliver Langemeyer

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