Lehren bleibt sein Kerngeschäft

Seit dem 1. August steht Thorsten Bahlmann an der Spitze des Comenius-Kollegs an der Sunderstraße. Sein Karrieresprung macht Thorsten Bahlmann auch ein wenig traurig: „Als Schulleiter werde ich weniger unterrichten. Das tut ein bisschen weh.“ Schließlich sei das Lehren sein „Kerngeschäft“: „Deswegen wird man doch Lehrer.“

 

Seit dem 1. August steht der 44-Jährige an der Spitze des Comenius-Kollegs an der Sunderstraße. Er folgt auf Susanne Böttcher, die die Schule zuletzt interimsmäßig geleitet hatte, nachdem Pater Osmar Gogolok sich im Vorjahr zurückgezogen hatte. Nun kommt mehr Verwaltungs- und Entwicklungsarbeit auf den Mathematik- und Physiklehrer zu. „Ich werde viele Gespräche mit den Kollegen führen, denn ich möchte vieles gemeinsam mit ihnen umsetzen“, kündigt Bahlmann an.

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Thorsten Bahlmann bedankt sich bei Susanne Böttcher, die ein
Jahr lang kommissarisch die Schulleitung innehatte.

        

 36 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten rund 400 zumeist junge Erwachsene Schüler an dem Kolleg. Laut Bahlmann verlassen rund 150 Absolventen pro Jahr das Kolleg mit Hochschulreife. Menschen aus mehr als 30 Nationen begegnen sich in der vom Franziskanerorden getragenen Schule. „Diese Internationalität ist das Besondere unserer Schule. Wann immer es sich anbietet, thematisieren wir das auch im Unterricht. So erhält man neue Perspektiven, davon profitieren wir alle“, sagt Bahlmann über die Atmosphäre am Kolleg.

Leider berichteten dunkelhäutige Schüler zuweilen auch von Anfeindungen außerhalb des Kollegs: „Es ist schade, dass es solche dummen Sprüche immer noch gibt, aber es passiert seltener als noch vor 20 Jahren.“ Bahlmann ist sich sicher, dass das Kolleg positiv auf Mettingen und Umgebung ausstrahlt. Innerhalb der Schule habe man sowieso „ein tolles, partnerschaftliches Verhältnis“, schwärmt Bahlmann.

Thorsten Bahlmann selbst ist seit 2002 an der Mettinger Schule. Gebürtig aus Lotte-Büren habe er sich damals riesig gefreut, dass er in heimische Gefilde zurückkehren konnte. Zuvor hatte er drei Jahre lang an einer Gesamtschule in Havixbeck gelehrt. In den Folgejahren brachte sich der verheiratete Vater einer 15-jährigen Tochter vielfältig in das Schulleben ein: Beratungslehrer, Mitglied im Lehrerrat. Mitorganisator von Schulfesten und engagiert beim Aufbau der Bibliothek, zählt Bahlmann, der in Recke wohnt, auf.

Im Klassenzimmer nun vor jungen Erwachsenen statt vor Kindern und Jugendlichen zu stehen, sei anfangs ein Unterschied und eine Herausforderung gewesen, erinnert der 44-Jährige sich: „Man benötigt eine andere Herangehensweise, ich bekomme als Lehrer schneller eine Rückmeldung: Was war gut, was nicht?“ Mehr denn je verstehe er sich als „Lernbegleiter auf Augenhöhe“ statt als jemand, der „Wissen eintrichtert“.

Den religiösen Hintergrund des Kollegs „bekommen die Schüler ganz automatisch mit, weil die Franziskaner Teil unseres Schullebens sind. Wir drängen aber niemandem den Glauben auf“, betont Katholik Bahlmann. Religiöse Offenheit seien für das Comenius-Kolleg ganz wichtig.

SAM 2276kleinPater Osmar überreicht Thorsten Bahlmann auf der Konferenz das franziskanische T. Der griechische Buchstabe T ist das Zeichen der franziskanischen Bewegung.

                                 

Auch wenn Bahlmann künftig weniger häufig vor seinen Schülern stehen wird – er geht von rund einem Drittel weniger Unterricht aus – den Kontakt will er auf keinen Fall verlieren: „Das ist einfach das, was mir Spaß macht und mich motiviert. Hätte ich für den Schulleiterposten das Unterrichten ganz aufgeben müssen, hätte ich es nicht gemacht.“ Und was hat ihn bewogen, trotzdem den Leitungsposten zu übernehmen? „Ich möchte diese gute Schule noch weiterentwickeln. Als Leiter hat man den Einfluss, den man als Lehrer nicht hat.

 

Quelle: IVZ, 17.08.2014

Fotos: Anneliese Dieckmann