Verwendung der Spendengelder des Sporttages des Comenius-Kollegs

Fortschritt und Wachstum durch einen Staudamm und nur „ein paar Indigene“, die ihre angestammten Siedlungen verlassen müssen? Ist Strom aus Wasserkraft denn nicht „grün“ und nachhaltig? Mit diesen Problemen beschäftigte sich Silke Tribukait von der Aktion Solidarische Welt (ASW) bei ihrem engagierten Vortrag im Comenius-Kolleg. Sie war aus Berlin angereist, um über die Verwendung eines Teils des Geldes zu informieren, das beim Sport- und Spendentag im Mai durch einen Lauf von Studierenden und Lehrenden von Osnabrück nach Mettingen gesammelt worden war. 2000 Euro davon waren an „Movimento Xingu Vivo Para Sempre“ gegangen.

 Silke Tribukait ist bei der ASW zuständig für Projekte in Brasilien, nachdem sie vorher mehrere Jahre für den Deutschen Entwicklungsdienst in Amazonien gearbeitet hat. Im November hat sie das vom Comenius-Kolleg unterstützte Projekt in Altamira am Rio Xingu, einem Zufluss des Amazonas, besucht. In ihrem Vortrag stellte sie zunächst den geplanten und im Bau befindlichen Belo Monte-Staudamm vor, der der drittgrößte Staudamm der Welt werden soll, wobei der Stausee größer als der Bodensee sein wird. Neben der Stromerzeugung für den industrialisierten Süden sieht sie das Projekt als Teil einer Strategie, die Flüsse in Amazonien schiffbar zu machen und Verkehrswege für den Export zu schaffen. Eine Besonderheit des Staudamms sei, dass der Fluss zur besseren Energiegewinnung umgeleitet werde und dabei eine große Flussschleife weitgehend trockengelegt werde.

„Movimento Xingu Vivo Para Sempre“, ein Zusammenschluss lokaler und internationaler Organisationen, Gruppen indigener Völker und sozialer Bewegungen, hat sich von Anfang an rechtlich und politisch gegen die sozialen und ökologischen Folgen des Projektes gewendet. Wie Frau Tribukait an verschiedenen Beispielen verdeutlichte, gibt es bei der Planung und Bewilligung große rechtliche Ungereimtheiten und entsprechend unabgeschlossene Gerichtsverfahren. Sogar der Interamerikanische Gerichtshof hat die brasilianische Regierung kritisiert. Dennoch wird intensiv an dem Staudamm gebaut mit der Begründung, dass ansonsten die nationale Sicherheit gefährdet ist.

Dabei setzt sich die Organisation ein für die von einer Zwangsumsiedlung Betroffenen. Im Gegensatz zu den angenommenen 350 Familien sind nach der Aussage von Silke Tribukait eher 20000 Menschen betroffen, darunter verschiedene indigene Völker. Viele von ihnen würden nicht über entsprechende Besitzurkunden verfügen, so dass eine Entschädigung schwer sei. Andere wüssten noch gar nicht davon, dass sie betroffen seien, und machten so ihre Ansprüche auch nicht geltend. Für die Menschen, die an der weitgehend trockengelegten Flussschleife leben, darunter das Volk der Xikrin, sei keinerlei Entschädigung vorgesehen.

Die Hilfe von Movimento Xingu Vivo besteht z.B. in Rechtsberatung, materieller Unterstützung mittelloser Familien, aber auch Öffentlichkeitsarbeit. Denn, so Silke Tribukait, der Belo Monte-Staudamm werde gebaut werden, aber es seien schon 150 weitere geplant. Dabei habe sich inzwischen herausgestellt, dass Wasserkraft gar nicht so sauber sei. Staudämme in den Tropen setzten klimaschädliche Treibhausgase in großem Ausmaß frei. Zudem steige, wenn die Fließgeschwindigkeit der Flüsse abnehme, die Gefahr von Malaria-Epidemien. Eine Häufung solcher Erkrankungen konnte Frau Tribukait schon bei ihrem jetzigen Besuch beobachten.  

Gunther Biesewig