Die eigenen Bedürfnisse und Neigungen erkennen (März 2015)

„Welche Berufsträume, -wünsche und -ideen haben Sie für die Zukunft?“ – diese Frage und weitere müssen, nein beantworten freiwillig und in ihrer freien Zeit Studierende des Comenius-Kollegs, die an einem Projekt zur Berufsfindung teilnehmen.

 

Zudem geben sie bei langen Listen von Tätigkeiten an, ob sie diese gern oder ungern ausüben, schätzen ihre Fähigkeiten ein, bewerten Berufe und machen sich Gedanken über ihre Ansprüche an eine spätere Berufstätigkeit.

Dieser Test, der in Anlehnung an bereits existierende Tests von Holland und Schein konstruiert ist, ist die erste Stufe des Berufsfindungsangebots. Daran schließt sich eine 45-minütige Erklärung und Besprechung der Auswertung mit jedem einzelnen Studierenden an. Diese wiederum bereiten auf die Berufs- und Studienberatung vor, die Wege aufzeigen soll und will, wie die beruflichen Pläne, Fähigkeiten und Neigungen realisiert werden können. Hier greift am Kolleg die Beratung durch Otto Pompe von der Agentur für Arbeit, aber auch die Kooperation mit der Zentralen Studienberatung von Hochschule und Universität in Osnabrück.

 

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Das Projekt zur Berufsfindung wird angeboten von Ellen Borgmann-Schäper, die passenderweise selbst 2012 am Comenius-Kolleg das Abitur gemacht hat und deshalb die spezielle Situation der Studierenden gut kennt. „Sie haben eine Geschichte, wissen die grobe Richtung, in die sie gehen wollen. Gymnasiasten können noch weniger mit den Berufsbildern anfangen.“ Ellen Borgmann-Schäper studiert zurzeit im 6.Semester Psychologie an der Universität Osnabrück und nutzt das Projekt als Praktikum, in dem sie ein diagnostisches Instrument anwenden und Beratungserfahrungen sammeln soll. Sie ist zu ihrem Studienfach gekommen, nachdem sie sich - vor dem Abitur – in ihrer Tätigkeit als Heilpraktikerin zunehmend in Richtung Psychotherapie spezialisiert hatte und meinte, dass sie das nicht mehr professionell genug tun könne. Nun muss sie weiterhin wie in ihrer Kollegzeit Studium und Familie – sie ist verheiratet und hat zwei Kinder – miteinander vereinbaren.

Und wie das Verhältnis zu den meistens viel jüngeren Mitstudenten an der Universität ist? Zu Anfang habe es große Berührungsängste gegeben, inzwischen gebe es gute Kontakte, z.B. bei gemeinsamen Arbeiten. Und die Jüngeren empfänden mindestens genauso viel Stress wie sie, wenn nicht sogar mehr, auch weil sie solch einen großen Leistungsdruck verspürten. Und einigen hätte wohl ein Berufsfindungstest gut getan. Nach der Meinung von Ellen Borgmann-Schäper haben manche ein sehr naturwissenschaftliches Verständnis des Faches und tun sich schon schwer bei ersten Rollenspielen im Rahmen des Studiums, brechen evtl. sogar das Studium ab. Dagegen meint sie, dass sie richtig gewählt hat, auch wenn das Studium schwer ist, mit einem breiten Themenspektrum, mit Mathematik und Physik, und sie kann sich eine spätere Tätigkeit in einer eigenen Praxis oder auch im Bereich Schulpsychologie vorstellen.

Am Kolleg stößt das Projekt zur Berufsfindung, das es ein Jahr geben wird, bisher auf große Resonanz und Zustimmung. Die angebotenen Termine und Plätze sind immer ausgebucht und es gibt viele positive Rückmeldungen. Vielleicht trägt das Angebot ja dazu bei, dass die Studierenden besser erkennen, was ihre Neigungen sind, aber auch mehr „auf ihre eigene Stimme hören“, wie es sich Ellen Borgmann-Schäper wünscht.

 

Quelle: Gunther Biesewig