Kleinbäuerinnen wehren sich / In Amazonien breitet sich die Palmölproduktion aus (Nov. 2016)

Benedita Carvalho, Kleinbäuerin aus dem Ort Igarapé Miri in Nordbrasilien, und Aldebaran Moura, Mitarbeiterin der Nichtregierungsorganisation FASE, waren am 16. November zu Gast im Comenius-Kolleg. Begleitet von Silke Tribukait von dem „Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt“ (ASW) aus Berlin, berichteten sie über die sich im Bundesstaat Pará seit einigen Jahren ausbreitende Palmölproduktion. In Pará sind es vor allem Kleinbauern, die im
Auftrag von Großunternehmen die ursprünglich aus Afrika stammende Dendê-Palme anpflanzen. Aus deren Früchten stellt man Öl her, das wiederum zu Biodiesel umgewandelt wird. Die Kleinbauern verpflichten sich dazu, 25 Jahre lang die Unternehmen mit einer bestimmten jährlichen Menge an Öl zu beliefern. Um das bewerkstelligen zu können, setzen sie Unmengen an Pestiziden und Herbiziden ein. Außerdem müssen sie große Flächen roden, auf denen sich vorher der amazonische Regenwald mit seiner reichhaltigen Flora und Fauna ausbreitete. Alle diese Tätigkeiten sind sehr arbeitsintensiv, sodass die Kleinbauern immer wieder fremde Arbeitskräfte anheuern müssen. Gerade auch während der Ernte sind viele zusätzliche Hilfskräfte außerhalb der eigenen Familie unverzichtbar. Der Anbau von Obst und Gemüse, der zuvor die wichtigste Erwerbsquelle der Kleinbauern war, geriet durch die Palmölmonokultur völlig ins Hintertreffen. Die Landbewohner, die sich vorher selbst mit Lebensmitteln versorgen konnten, sind jetzt auf teure Einkäufe im Supermarkt angewiesen. Nach einigen Jahren harter Arbeit sind die Kleinbauern oft nicht mehr in der Lage, allen ihren Verpflichtungen nachzukommen. Sie verkaufen dann ihr Land und ziehen auf der Suche nach Arbeit in die großen Städte, wo sie häufig in den Elendsvierteln stranden.Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, bietet FASE den Bauern Rechtshilfe und technische Unterstützung an. Die Aufhebung der Knebelverträge und die Rückkehr zu einer verbesserten Subsistenzwirtschaft, die sorgsam mit der Natur umgeht, sind erklärte Ziele von FASE. In Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft der Kleinbauern, in deren Reihen auch Benedita Carvalho aktiv ist, werden alte Anbaumethoden von Obst und Gemüse wieder aufgegriffen und verbessert, organischer Dünger wird hergestellt und Bauernmärkte mit fair gehandelten Produkten werden organisiert. Diese Märkte suchen auch Bewohner der nahen Städte, die auf den Geschmack von gesunder Nahrung gekommen sind, gerne auf. Dadurch können die Kleinbauern ihr Einkommen steigern und ihre Kinder in die Schule schicken. FASE und Gewerkschaft wollen mit ihrer Kooperation zudem erreichen, dass die Arbeit von Frauen in der von Machismus und Sexismus geprägten Gesellschaft Brasiliens stärker wertgeschätzt wird. Sie kämpfen auch darum, dass die Jugend von den Drogen Abstand nimmt, die gerade im Munizip Igarapé Miri durch die Beschaffungskriminalität sehr viel Gewalt verursacht.

Bernd Lobgesang