Xukuru zu Besuch (März 2000)


11429819610 500 Jahre Brasilien


Das offizielle Brasilien feiert sich im Jahre 2000 selbst und redet stolz von 500 Jahren Zivilisation, die mit den Portugiesen gekommen sei. Aber Großmutter wußte schon: "Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz."
Solidarisch verbunden mit den Menschen in Brasilien, die bis heute des Fortschritts und grundlegender Rechte entbehren, ganz besonders mit den indigenen Völkern, begehen wir in Kolleg und Institut die 500 Jahre als Datum des Nachdenkens und der Bereitschaft zum Handeln.
Am 16. März 2000 war eine Delegation des Volkes der Xukuru im Comenius-Kolleg.
Weiter unten ein Bericht von Bernd Lobgesang zu Geschichte, Kultur und Widerstand der Xukuru und Bilder vom Besuch der Delegation.


Im Laufes des Sommersemesters sind weitere Veranstaltungen vorgesehen.
- zum Thema Menschenrechte mit Rosa Marga Rothe, Ombudsfrau von Belém/Pará
- zum Thema Unterdrückung und Widerstand schwarzer Frauen mit Jurema Werneck von der Nicht-Regierungs-Organisation CRIOLA aus Rio
- Zur Situation indigener Völker mit Paulo Suess, lange Zeit Generalsekretär des CIMI

Kein Friede in den Bergen von Ororubá. Die Xukuru kämpfen weiter um ihre Rechte
von Bernd Lobgesang


- Keine Hoffnung auf friedliches Zusammenleben 
- Unterdrückung und Ausharrungsvermögen 
- Indianische Renaissance 
- Weitere Informationen 

"Der Präsident tut nichts für uns. Wenn er ins Ausland fährt, behauptet er, kein anderer vor ihm habe mehr Land für die Indianer vermessen als er. Aber was heißt das schon, wenn die Großgrundbesitzer immer noch in unserem Reservat sind und wir um jedes Stückchen Erde kämpfen müssen?" Marcos de Araújo, der neue Kazike des Volkes der Xukuru, ist aufgebracht. Sein normalerweise schelmischer Blick ist einem ernsten Gesichtsausdruck gewichen. Dazu hat er auch allen Grund, denn noch immer leben etwa 7.800 Xukuru im nordostbrasilianischen Bundesland Pernambuco in extrem schwierigen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen.

11429821692 Marcos de Araujo (Foto: Gerborg Meister)


Marcos de Araújo, 21 Jahre alt und damit der jüngste Kazike ganz Nordostbrasiliens, hält sich vom 10.-25.März in Deutschland auf. Begleitet wird er von Abdias Severo, der Mitglied der Internen Kommission ist und insbesondere die Interessen der außerhalb des Reservates lebenden Xukuru vertritt. Die Reise der beiden geht auf eine Einladung des Instituts für Brasilienkunde in Mettingen in Nordrhein-Westfalen und des Aktionsskreises Pater Beda für Entwicklungshilfe zurück. Zwei Wochen lang fahren die beiden Xukuru kreuz und quer durch Nordwestdeutschland und tragen in Schulen, Kultureinrichtungen und Kirchengemeinden ihr Anliegen vor. 

11429821693 Überall stießen die Gäste auf großes Interesse. Hier: Aula der Erwachsenenschule mit Dritte-Welt-Schwerpunkt Comenius-Kolleg in Mettingen (Foto: Geborg Meister)


Bis kurz vor Beginn der Europa-Tour war allerdings unsicher, ob Marcos de Araújo überhaupt Brasilien verlassen würde, denn die Xukuru hatten im Januar dieses Jahres ein weiteres Mal ein Stück Land innerhalb ihres Reservates besetzt. Trotz der schwierigen Situation entschloss sich der Kazike dann doch dazu, am ursprünglichen Plan festzuhalten und zu fahren. Er übergab die Leitung der Okkupation seinem Stellvertreter José de Santana, der ursprünglich ebenfalls nach Deutschland kommen sollte. Damit schien alles in bester Ordnung. Doch schon nach wenigen Tagen erreichten die beiden Xukuru beunruhigende Nachrichten aus der Heimat: Die Besetzung musste nach einem Polizeieinsatz abgebrochen werden. Glücklicherweise wurde niemand bei der Räumung verletzt oder sogar getötet, und die Xukuru verlegten einfach ihre Aktion an eine andere Stelle an der Überlandstraße. Dort campieren sie jetzt wieder unter Plastikplanen und machen die passierenden Autofahrer auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam.. 

Keine Hoffnung auf friedliches Zusammenleben 

Die Xukuru leben in den Bergen von Orubá in der Übergangszone zwischen der Landschafts- und Klimazone des halbfeuchten Agreste und der von häufigen Dürren bedrohten Trockensteppe des Sertão. Deshalb gibt es in der dem Meer zugewandten Region Quellen, Bäche und kleine Flüsse, während im trockeneren Teil Stauseen angelegt werden müssen, um die Dürreperioden überstehen zu können. Die meisten Xukuru sind Bauern. Sie pflanzen Bohnen, Mais, Süßkartoffeln, Maracujá und andere Früchte. Außerdem züchten sie Kühe, Schweine und Ziegen. Wegen der Landnot müssen sich viele von ihnen auf den Fazendas der Großgrundbesitzer verdingen. Sie verdienen dort am Tag in etwa den Gegenwert von fünf Mark. Das reicht kaum aus zum Überleben und dementsprechend erbärmlich ist die wirtschaftliche Lage dieser Tagelöhner. 

Der Kampf der Xukuru um ihr Land in den Bergen von Ororubá dauert schon lange und verlief zumindest auf dem Papier erfolgreich, denn die offizielle Vermessung ihres 27.00 ha großen Reservates in der Nähe der Stadt Pesqueira wurde bereits 1995 abgeschlossen. Bis heute aber verweigert Staatspräsident Fernando Henrique Cardoso hartnäckig seine Unterschrift, und erst durch sie erlangt die Vermessung Rechtskraft. Nach diesem offiziellen Akt kann dann endlich die Landvermessung ins Kataster eingetragen und im Amtsblatt veröffentlicht werden. Danach ist dann in der Regel der Prozess der Zuteilung von Indianerland an die Ureinwohner Brasiliens, so wie es die Verfassung von 1985 vorsieht, abgeschlossen: Dieses Land darf allein von den Indianern genutzt werden, die Grenzen dürfen nicht verrückt werden. Weder die Zerstückelung noch der Verkauf des Indianerlandes ist erlaubt.. 

Die jüngste Vergangenheit hat allerdings schon in mehreren Fällen gezeigt, dass die Verfassung wenig mit dem brasilianischen Alltag zu tun hat: Er wird weit eher von Machtwillkür, Korruption und groben Rechtsbrüchen bestimmt als von den so wichtigen Rechten, die gerade den unterdrückten Gruppen wie den Indigenen und den Schwarzen in der Verfassung gewährt werden. Insbesondere wenn es um die Ureinwohner geht, schrecken weder der Staat und die ihm unterstellten Organe noch die politisch tonangebenden Großgrundbesitzer, Unternehmer und alteingesessenen Familien davor zurück, nach ihrem Gutdünken zu verfahren. Wen kümmert da die Verfassung? 

Durch das Dekret 1775 hat sich zudem der brasilianische Staat eine rechtliche Grundlage geschaffen, die es ihm erlaubt, ganz legal die Vermessung von indianischem Territorium hinauszuz?gern oder vielleicht sogar ganz zu verschleppen. Das Dekret 1775 ermöglicht es nämlich den Gegnern der Demarkation, gegen die drohende Enteignung Protest einzulegen und eigene Ansprüche auf das Land zu reklamieren. Der Staat muss diesen Vorwürfen nachgehen und die Rechtmäßigkeit der Demarkation erneut überprüfen.
11429823934 von links: Abdias Severo, Marcos de Araújo, Gerborg Meister. Dritt-Welt-Koordinatorin Meister hatte einen dichten Veranstaltungsplan für die beiden Gäste aus Brasilien erarbeitet, so dass viele Schulen und Gemeinden die Chance hatten, den Besuch der Delegation zu erleben


Genau das ist auch im Falle der Xukuru geschehen. Auf ihrem 27.000 ha umfassenden Land in den Bergen von Ororubá haben sich 281 Fazendeiros niedergelassen, die den weitaus größten Teil des Reservates an sich gerissen haben. Bisher verfügen die Xukuru erst über ganze 12% ihres Landes. Ein Fleckchen Erde war ihnen trotz des steten Landverlustes während der vergangenen 350 Jahre portugiesisch-brasilianischer Eroberung sowieso verblieben; den Rest eroberten sie durch sieben Besetzungen in den vergangenen Jahren mühsam und unter großen Opfern zurück. 

53 der erwähnten Fazendeiros, die Land innerhalb der Reservatsgrenzen beanspruchen, legten sofort nach der Demarkation beim Obersten Gerichtshof Klage ein. Ihre Einwände wurden zunächst abgewiesen. Trotzdem hat der Gang vor die Gerichte durchaus Aussicht auf Erfolg, denn unter den 281 Landbesitzern befinden sich nicht nur arme Kleinbauern, sondern auch wohlhabende Großgrundbesitzer, Unternehmer und Landespolitiker. Die Angelegenheit wird durch die Tatsache noch weiter verschärft, dass mehrere Vettern des brasilianischen Vizepräsidenten, Marco Maciel, ebenfalls Xukuru-Land für sich reklamieren. Damit haben die Xukuru mächtige Feinde gegen sich: Einem so überaus schillernden und durchtriebenen Politiker wie Marco Maciel stehen viele Möglichkeiten zur Verfügung, um die Interessen seiner Familie erfolgreich durchzuboxen- auch gegen Recht und Gesetz, versteht sich. Nach außen hin verläuft bisher natürlich alles streng nach recht und Gesetz. 1999 gingen 18 Fazendeiros, unter ihnen sieben Verwandte von Marco Maciel erneut vor Gericht. Sie wollen auf keinen Fall ihr Land innerhalb des Reservates aufgeben, obwohl das Justizministerium schon 254 Einsprüche bearbeitet und abgelehnt hat. 

Die Xukuru kämpfen mit legalen Mitteln. Sie berufen sich auf die Verfassung und fordern den Schutz der Staatsorgane ein. Besonders hintergangen fühlen sie sich vom staatlichen Indianerschutzdienst FUNAI. Er müsste eigentlich auf ihrer Seite stehen und ihre Rechte gegenüber der Zivilgesellschaft vertreten. Aber seit der Landvermessung von 1995 hält sich die FUNAI bedeckt. Das Geld, das für die Entschädigung der 281 Fazendeiros zur Verfügung stehen müsste, wird nicht ausgezahlt. So kommt die Rückgabe des Xukuru-Landes einfach nicht voran, und die Geduld der Ureinwohner wird auf eine harte Probe gestellt. Marcos de Araújo ist sogar davon überzeugt, dass der zuständige FUNAI-Beamte mit den Großgrundbesitzern unter einer Decke steckt. Vorstellbar ist das allemal, denn die FUNAI hat in der Vergangenheit schon oft genug bewiesen, dass sie korruptionsanfällig ist und oft von Politikern als Steigbügel benutzt wird, die sich kurze Zeit später in einem höheren Staatsressort wiederfinden. 

Unterdrückung und Ausharrungsvermögen 

Lange Zeit hatte es so ausgesehen, als würde sich das Landproblem der Xukuru quasi von selbst lösen, und zwar durch das langsame Verlöschen dieses Volkes. Ähnliches ist in ganz Brasilien in der Vergangenheit immer wieder geschehen: Durch die ständigen Benachteiligungen und Demütigungen entnervt, verleugneten viele Indigene ihre indianische Abstammung und bezeichneten sich ab sofort als Caboclos, also Indianermischlinge, oder Afrobrasilianer. Dadurch gelang es ihnen, die Talsohle der brasilianischen Gesellschaft zu verlassen. Der Ansehensgewinn hielt sich zwar in Grenzen, aber besser als der vorherige Zustand war es allemal. Insbesondere im Nordosten, wo der Vermischungsprozess der indianischen Völker mit Wei?en und Schwarzen weit vorangeschritten ist, w?hlten viele Ureinwohner diesen Weg. 

In der einen oder anderen Region blieben aber kleine Gruppen erhalten. Das war auch bei den Xukuru der Fall. Ihre Sprache hatten sie allerdings während der über 350-jährigen Kontakte mit der brasilianischen Gesellschaft verloren. Außerdem waren ihnen große Teile ihrer Religion von den katholischen Priestern ausgetrieben worden. Ihre Sitten und Gebräuche hatten sich aufgrund der massiven Lebensumstellungen nach der portugiesischen Invasion weitgehend verfüchtigt. Und trotzdem war noch ein Rest von Andersartigkeit vorhanden: Einige Tänze und Rituale, einige alte Religionsvorstellungen, der eine oder andere Sprachfetzen und vor allen Dingen der feste Wille, Xukuru zu sein, hielten sich wie ein schwacher Funke unter einer dicken Ascheschicht. Dabei war es früher durchaus gefährlich, sich zu seinem Indianertum zu bekennen: Indianer, die z.B. den Toré, den heiligen Tanz, durchführten, mussten damit rechnen, von der Polizei belangt, geschlagen, gedemütigt und im schlimmsten Fall sogar getötet zu werden. Deshalb tanzten die Xukuru lange Zeit den Toré im Verborgenen an einer abgelegenen Stelle in den Ororubá-Bergen. 

Eine derart massive Bedrohung der indianischen Kultur gibt es heute nicht mehr. Wenn die Xukuru heute in Pesqueira oder auch in anderen Städten bei Demonstrationen oder Festen in Bastgewändern auftreten, die sieü?ber ihren Jeans tragen, wenn sie Federn tragen, bemalt sind und tanzen, feixen zwar einige, aber es gibt aber auch Zustimmung und Solidarität in der Bev?lkerung. 

Indianische Renaissance 

1944 soll es nur noch 2.191 Xukuru gegeben haben. Heute sind es wieder über 7.800. Ihre Zahl wächst nicht nur wegen einer recht hohen Geburtenquote, sondern auch deshalb, weil sich immer mehr Xukuru zu ihrer indianischen Identität bekennen. Dieser Prozess der Stärkung des indianischen Bewusstseins setzte in den 70-er Jahren des 20. Jahrhunderts ein, als der katholische Indianermissionsrat (CIMI) die ersten Versuche unternahm, die Ureinwohner zu organisieren. Damals fanden die ersten überregionale Treffen indianischer Kaziken statt. Die Xukuru schlossen sich rasch den Bestrebungen des CIMI an, die Sache der Indigenen offensiver in der brasilianischen Gesellschaft zu vertreten. 

Bei allen wesentlichen Kämpfen waren sie seitdem dabei: 1978 revoltierten sie gegen die drohende Verabschiedung des Emanzipationsedikts im Parlament, wodurch alle Indianer mit dauerhaftem Kontakt zur brasilianischen Gesellschaft den staatlichen Schutz verlieren sollten. Sie kämpften an vorderster Front für die Verabschiedung der Verfassung von 1985. Heute demonstrieren sie immer wieder gegen das bereits erwähnte Dekret 1775. Sie setzen sich unermüdlich dafür ein, dass endlich das Indianerstatut verabschiedet wird: Erst dann würden die in der Verfassung festgelegten allgemeinen Rechte zu konkreten Gesetzen. Die Xukuru waren auch 1989 eine treibende Kraft bei der Gründung der APOINME, des Zusammenschlusses der Indianervölker Ost- und Nordostbrasiliens. 

11429823935 Pater Osmar begrüßte die Delegation herzlich und übersetzte während der Schulveranstaltung am 16. März (Foto: Gerborg Meister)


Der Kazike der Xukuru, Francisco Assis de Araújo, allgemein Xicão genannt, wurde der charismatische Führer dieser Organisation, die 29 indianische Völker vertritt. Xicão wurde 1985 zum Kaziken der Xukuru gewählt. Unter seiner Leitung gaben sich die Xukuru eine feste Organisation, die folgendermaßen aussieht: Ein gewählter Interner Ausschuss steht dem Kaziken und dem Pajé den beiden obersten Repräsentanten des Volkes, mit Rat und Tat zur Seite. Die Sprecher der 23 Xukuru-Dörfer, die Tuxés ( Frauen, die dem Pajé bei seinen religiösen Tätigkeiten helfen) und der Lehrerrat sind weitere wichtige Zusammenschlüsse, die mit dem Kaziken, dem Pajé und der Internen Kommission zusammenarbeiten. Außerdem schlossen sich die Indianer im Verband der Xukuru-Gemeinden von Ororubá zu einer rechtsfähigen Organisation zusammen, die Entwicklungsprojekte für die dörflichen Gemeinschaften ausarbeitet. 

Über zehn Jahre hinweg erhielt Xicão Morddrohungen. Aufgrund seines Mutes, seiner klaren politischen Position und Überzeugungskraft wurde er nicht nur in Brasilien, sondern auch im Ausland bekannt und galt als einer der profiliertesten indianischen Führer Brasiliens. Ständig schwebte er in der Gefahr, von seinen mächtigen Gegenspielern, den Großgrundbesitzern, getötet zu werden. Am 20. Mai 1998 geschah es dann: Ein Pistoleiro tötete Xicão mit sechs Schüssen, als er sich vor dem Haus seiner Schwester in Pesqueira aufhielt. Der Attentäter befindet sich zwar im Gefängnis, aber nicht wegen der tödlichen Schüsse auf Xicão. Er wurde wegen zweier anderer Morde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Wegen angeblich fehlender finanzieller Mittel können weitere Personen, die in den Mordfall verwickelt sind, nicht angezeigt werden. Der Mord und die stümperhafte Arbeit der mit der Aufklärung betrauten Bundes- und Landespolizei lösten national und international einen Sturm der Entrüstung aus. Amnesty International klagte sogar die brasilianische Regierung an, sie trage durch das Dekret 1775 die Mitschuld am Tod des Kaziken: "Jene, die Menschenrechtsverletzungen gegen die Indianer begehen, tun dies meist in der Absicht, sich die in ihren Gebieten vorkommenden Rohstoffe gierig anzueignen und genießen praktisch Straffreiheit." Amnesty International fordert eine unabhängige und gründliche Untersuchung des Mordes durch die Bundespolizei und den Schutz für alle gefährdeten Personen. 

Die Ermordung Xicãos, die dazu gedacht war, den Widerstand der Xukuru zu brechen, hat ganz im Gegenteil ihren Widerstandsgeist vergrößert. Die Xukuru überwanden bald die Phase tiefer Trauer und Lähmung und fühlen sich heute noch stärker als zuvor im Recht. Dabei ist die Gefahr, das eigene Leben zu verlieren, immer gegenwärtig: Xicão ist immerhin schon der dritte, der mit dem Leben büßte. Vor ihm waren schon ein Sohn des Pajé, des Medizinmannes, und ein couragierter Rechtsanwalt feigen Mordanschlägen zum Opfer gefallen. Auch Marcos de Araújo, der als j?ügster Sohn Xicãos mittlerweile die Funktion des Vaters ?bernommen hat, sowie weitere Familienmitglieder und veinige andere wichtige Vertreter der Xucuru erhielten Todesdrohungen: "Ich setze den Kampf meines Vaters fort. In der Stadt Pesqueira muss ich immer in Begleitung von 15 bis 20 Leuten unterwegs sein, auch im Dorf ist es nötig. Sie sagten zur mir und zur Presse, dass sie mich umbringen wollten. Aber wir sind bereit zu kämpfen." 

11429823936 Bernd Lobgesang, Kazike Marcos de Araújo, Abdias Severo (von links) 


Quelle: BRASILIEN NACHRICHTEN 122/2000. Der Beitrag darf bei Nennung von Autorschaft und Quelle im Klassen- oder Gruppensatz vervielfältigt werden. 

Weitere Informationen 
Spenden für die Xukuru können auf das folgende Konto überwiesen werden: Institut für Brasilienkunde, Volksbank, Tecklenburger Land BLZ 403 619 06, Kontonr. 901 714 00, Stichwort XUKURU. 

Beim Institut ist auch eine deutschsprachige Dokumentation zu den Xukuru erhältlich.