25 Jahre Hopstenwoche/ Hopstentage (Februar 2004)

Als Beispiel für die Erstsemestereinführung hier die
Hopstentage 2004




"Halb-Deutschland wäre an AIDS erkrankt"
Comenius-Kolleg fährt Erstsemester in Dritt-Welt-Probleme ein

"Das hätte ich nicht gedacht. Dann wäre ja Halb-Deutschland an AIDS erkrankt", äußert sich Rafael erschrocken, als er erfährt, dass über 40 Millionen Menschen HIV-infiziert sind, gut drei Viertel davon allein in Afrika. Rafael ist mit gut 50 anderen Erstesemestern des Comenius-Kollegs im Bernhard-Otte-Haus in Hopsten zu Gast. Seit 25 Jahren "ein kleines Silberjubiläum" führt das Kolleg die neuen Studierenden in die Dritt-Welt-Problematik ein, seit 1980 im Bildungshaus in Hopsten.


 

11429858081 Im Plenum tauschen sich die Studierenden immer wieder aus.


Das besondere dabei ist: Dieser Unterricht wird vor allem von Studierenden höherer Semester in monatelanger Arbeit vorbereitet und ausgeführt. Die Finnin Pia, die Deutsch-Französin Cèline und der Osnabrücker Christian z.B. bieten eine Arbeitsgruppe zum Thema AIDS in Afrika an. Sie zeigen ein erstaunliches Fachwissen und Problembewusstsein. Gleichzeitig gestalten sie den Unterricht überaus abwechslungsreich. Dabei achten sie aber strikt auf Disziplin. "Manchmal sind sie strenger als wir in der Schule", meint ein Lehrer, der schon verschiedene Male an den "Hopstentagen" teilnahm.

11429858092 Sammy aus Ghana, Studierender des Studienkollegs, erklärt wichtige Lebensmittel seiner Heimat: Kochbananen und Yamswurzel.


Diesmal dauerte die Einführung von Monatg bis Mittwoch. Neben AIDS in Afrika lauten die Themen Straßenkinder in Brasilien, Fischer in Brasilien, Theater der Unterdrückten nach Augusto Boal, Regenwald und Umwelt, Geschichte und Gesellschaft Ghanas. Dazu gibt es Referate zu Nigeria und Brasilien, einen multikulturellen Abend mit Beiträgen von Russland bis Südamerika. Die neu erworbenen Kenntnisse werden aufbereitet in Wandzeitungen, Plakaten und Karten, die dann später in der Eingangshalle des Kollegs über die Arbeit und Ergebnisse der Tage in Hopsten informieren.

Gerborg Meister, Dritt-Welt-Koordinatorin des Comenius-Kollegs, zeigt sich bei der abschließenden Auswertung durch alle Teilnehmer sehr zufrieden. Sie ruft aber dazu auf, die Dritt-Welt-Problematik in Zukunft immer als etwas anzusehen, das alle Menschen angeht und sich daher entsprechend zu engagieren. Das gehe in der Schule, später im Studium, aber auch in der Heimatgemeinde und im eigenen Haushalt, z.B. durch den Kauf fair gehandelter Waren. Und die Erstsemester? Sie sind mit den "Hopstentagen" zufrieden, wie eine annonyme Auswertung ergibt.




Fotos: Cèline Freund, Text: Hupsy